ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002Ärztliche Präventionstage 2002: Vorreiter in Sachen Prävention

POLITIK

Ärztliche Präventionstage 2002: Vorreiter in Sachen Prävention

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): A-2978 / B-2520 / C-2364

Rabbata, Samir

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Während die Regierung über die Finanzierung von Präventionsprogrammen diskutiert, starten die Ärzte eine eigene Informationskampagne.
Die Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer, Dr. med. Ursula Auerswald, hat in Berlin massiv die Präventionspolitik der Bundesregierung kritisiert. Zum Auftakt der „Ärztlichen Präventionstage 2002“ warf sie der Regierung vor, zu wenig Geld für Präventionsprogramme zur Verfügung zu stellen. Jede Aufklärungskampagne, die breite Bevölkerungsschichten erreichen soll, koste etwas. „Und auch die spezifisch ärztlichen Beratungsleistungen bedürfen einer angemessenen Vergütung“, sagte Auerswald.
Die im Koalitionsvertrag angekündigten Präventionsmaßnahmen der rot-grünen Bundesregierung seien zwar begrüßenswert. Es fehle aber an konkreten Finanzierungsplänen für die ehrgeizigen Vorhaben. So stehe das „Forum für Prävention und Gesund­heits­förder­ung“ bislang ohne Finanzgrundlage da. Auerswald erinnerte daran, dass Kanzler Schröder Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt „in aller Öffentlichkeit abstrafte“, weil sie eine zweckgebundene Abgabe auf Tabakprodukte vorschlug, um damit Präventionsprogramme zu finanzieren. Kritikwürdig sei auch die von der Bundesregierung betriebene Blockade eines europaweiten Werbeverbotes für Tabakwaren. Auerswald: „Was aber wirklich dem Fass den Boden ausschlägt, ist die Tatsache, dass die Tabakindustrie Präventionsprogramme des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums finanziert, die den Tabakkonsum von Kindern und Jugendlichen eindämmen sollen, zugleich aber vertraglich festgelegt wird, dass sich diese Programme nicht gegen die Tabakindustrie richten dürfen.“
Mit den Ärztlichen Präventionstagen wollen Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung nach eigenem Bekunden verdeutlichen, was Ärzte seit langem in der Prävention leisten. Unter dem Motto „Gesund – Mitten im Leben“ informieren Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen bundesweit unter anderem über gesunde Ernährung und Bewegung sowie über den Umgang mit Stress und über die Gefahren beim Konsum von Tabak und Alkohol. Ferner sind Veranstaltungen zum Impfschutz und zur Früherkennung von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorgesehen.
Man werde sich insbesondere den gesundheitlichen Risiken im mittleren Erwachsenenalter widmen, erklärte Dr. med. Ulrich Oesingmann, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses „Gesund­heits­förder­ung, Prävention und Rehabilitation“ der Bundes­ärzte­kammer. Hier seien Erkrankungen durchaus zu beeinflussen oder sogar ganz vermeidbar.
Eine Schlüsselrolle bei der Prävention komme den niedergelassenen Ärzten zu. Darauf verwies Dr. med. Leonhard Hansen, Zweiter Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Hansen warnte aber davor, die Prävention zulasten der Kuration zu finanzieren. Vielmehr müssten gesonderte Finanzmittel aufgelegt werden. Der KBV-Vertreter wies darauf hin, dass sich eine erfolgreiche Prävention erst nach Jahren finanziell auf die kurative Versorgung auswirken würde. Zusätzliche Ressourcen seien deshalb nötig. Samir Rabbata
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