ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002K Online: Telemedizin für die Praxis

THEMEN DER ZEIT

K Online: Telemedizin für die Praxis

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): A-2991 / B-2531 / C-2374

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Neue Entwicklungen in der Informationsverarbeitung
müssen in die medizinische Versorgung integriert werden.

Telemedizin-Projekte führen immer noch ein „Insel-Dasein“ innerhalb der Gesundheitsversorgung. Sie sind in der Regel auf den Nutzer-Enthusiasmus angewiesen, laufen nicht im Regelbetrieb, weil Modelle für die Organisation und Abrechnung fehlen und rechtliche Aspekte ungeklärt sind. Die breite Nutzung der Telemedizin wird in der Praxis nahezu verhindert. Dieses Fazit zog Thomas Schall, Universität Regensburg, auf dem 7. Forum Information in Krankenhaus und Praxis –
K Online – in München. Themenbereiche der Veranstaltung waren Telemedizin und elektronisch unterstütztes Disease Management. Die technologische Machbarkeit telemedizinischer Anwendungen sei nachgewiesen. Jetzt gehe es darum, diese in die Arbeitsabläufe, das heißt zum Beispiel in Krankenhausinformationssysteme und Wissens- und Informationsdatenbanken, zu integrieren und den Blick auf den Anwendernutzen zu richten. Der Weg verläuft daher nach Schall von der Technikentwicklung zur Leistungserbringung und ist mit einer Zunahme der „Direktheit der Einflussnahme“ verbunden (beispielsweise von der Telekonsultation über die Telediagnose zur Telebehandlung oder vom Telemonitoring über die Telebetreuung zur Telebehandlung). Telematisch praktizierte Medizin erhöhe die Mobilität und die Freiheit von Arzt und Patient. So könne einerseits der Arzt Leistungen abseits von Klinik und Praxis erbringen, andererseits erhalte der Patient eine qualitätsgesicherte adäquate Betreuung, die ebenfalls nicht notwendig an Klinik und Praxis gebunden sein müsse. Weitere Vorteile: Zeitliche Verzögerungen werden verringert und räumliche Distanzen aufgehoben. Dies ist mit einer Effizienzsteigerung verbunden. Der Nutzen für Forschung und Lehre ist unter anderem die ständige Verfügbarkeit und Aktualität von Ergebnissen, die Möglichkeit neuer Studiendesigns und der Zugriff auf konsistente Datenbestände.
Ein Beispiel für ein innovatives praxisbzogenes Telemedizinprojekt im Rahmen der integrierten Versorgung stellte Dr. Marc Kurepkat, Clinische Studien Gesellschaft, Berlin, vor. Das Hypertonie-Pilotprojekt im Praxisnetz Nürnberg Nord erprobt mit 20 teilnehmenden Ärzten die elektronische Umsetzung von Disease-Management-Programmen (eDMP) anhand einer Leitlinie zur Hypertoniebehandlung bei Versicherten der AOK. Die internetbasierte Anwendung umfasst die Online-Dokumentation in einer Oracle-Datenbank, unter anderem mit Online-Berechnungen (wie dem BMI), Plausibilitätsprüfungen, Dokumentationsstatus sämtlicher Patienten, einem Zugriffsprotokoll und regelbasierten Auswertungen. Das Programm „SendUS“ ermöglicht die Konvertierung und Integration der Daten in die Praxis-EDV der beteiligten Ärzte. Die Daten werden dabei verschlüsselt übermittelt. Das Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES), Berlin, übernimmt die wissenschaftliche Evaluation und dient als DMP-Zentrale. Die Infrastruktur steht seit dem zweiten Quartal 2002 zur Verfügung. Eine begleitende nicht öffentliche Website dient als Plattform, auf der die Leitlinie und weitere Wissensquellen abgelegt sind. Ende
des Jahres soll eine CME-(Continuous Medical Education-)Sequenz als Fortbildungsangebot eingearbeitet werden.
Ein „schlüsselfertiges“ Produkt für das elektronische Disease Management haben die Firmen IGES und DGN Service GmbH, Düsseldorf, entwickelt. Das Programm „Ariadne“ unterstützt als datenbankgestützte Online-Applikation die Umsetzung von DMP von der inhaltlichen Konzeption über die Implementierung bei den Teilnehmern bis zum Regelbetrieb. Die Lösung kann in der Arztpraxis unabhängig vom verwendeten Praxiscomputersystem eingesetzt werden.
Persönliches Gesundheitsmanagement
Ein Werkzeug zum Management von Diabetes mellitus präsentierte Oliver Mast vom Institut für Medizin, Informatik und Biostatistik, Basel. Mit
dem Programm „Mellibase“ (www.melli base.de) kann der Arzt individuelle elektronische Risikoberichte für Diabetiker erstellen. Das Ziel ist, über prognostische Aussagen zum Krankheitsbild eines Patienten Therapieprozesse zu optimieren und diesen dabei – psychologisch und wissensbezogen – zu unterstützen, sein Risiko zu verbessern. Die Software vergleicht die Daten des Patienten mit den Ergebnissen aus mehr als 80 Studien und erstellt aus dieser Evidenzbasis regelmäßige Risikoberichte. Diese projizieren für un-terschiedliche Risiken, zum Beispiel Schlaganfall, Erblindung und Ampu-tation, sowohl die statistische Wahrscheinlichkeit als auch Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation des Patienten. Arzt und Patient können auf der Grundlage der Berichte Therapieziele vereinbaren und kontinuierlich umsetzen. Heike E. Krüger-Brand
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