ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: Praxis Computer 6/2002ByMedCard-Projekt: Diabetes-spezifische Dokumentation und Kommunikation

SUPPLEMENT: Praxis Computer

ByMedCard-Projekt: Diabetes-spezifische Dokumentation und Kommunikation

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): [2]

Engelbrecht, Rolf; Birkmann, Christine; Demski, Hans; Hildebrand, Claudia

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LNSLNS Mit ByMedCard entsteht ein sicheres Informationssystem für die Routinebehandlung chronisch Kranker, das auch für Disease Management geeignet ist. Es schließt den Patienten als aktiven Kommunikationspartner ein und nutzt eine Chipkarte und das Internet als Kommunikationsmedium und Datenträger.
Die Qualität der medizinischen Versorgung von chronisch Kranken hängt von verfügbaren Daten und Wissen ab. Da die Behandlung in mehreren Einrichtungen gleichzeitig und nacheinander stattfindet, soll sie durch effektive Kommunikation auf der Basis einer elektronischen Krankenakte verbessert werden. Diabetespatienten werden vom Hausarzt, vom Schwerpunktarzt und vom Krankenhausarzt behandelt. In Bayern und anderen KV-Regionen sind Strukturverträge abgeschlossen worden, die für den niedergelassenen Bereich mit dem BDT-Diabetes eine Datenbasis geschaffen haben. Für das Krankenhaus und die Arztpraxis wurden Dokumentationssysteme entwickelt und eingesetzt, wie zum Beispiel der DIADOQ-Pass (Abbildung 2). Diese bieten eine besuchsorientierte Dokumentation und sind an Praxissysteme gekoppelt. Im Krankenhaus gibt es vergleichbare Systeme nicht. Sie müssen entwickelt und in vorhandene Krankenhausinformationssysteme integriert werden. In beiden Fällen gilt dies auch für die Kommunikationskomponenten. Diese Systeme sollen der Betreuung von Diabetikern dienen und werden als Diabetes-Arbeitsplatz im ByMedCard-Projekt entwickelt.
Medizinische Daten, die auf einer Patientenkarte, zum Beispiel der DIABCARD, übermittelt werden, geben dem Arzt sicher und schnell Aufschluss über den aktuellen Zustand und den Krankheitsverlauf seines Patienten. Speicherplatzintensive Daten, beispielsweise Röntgenbilder oder Fundusaufnahmen, passen nicht auf eine Chipkarte. Diese soll der Arzt über das Internet sicher abrufen. Informationen über die Art und die Lokalisation der abzurufenden Daten befinden sich auf der Patientenkarte. Den Zugriff darauf steuert der Patient.
Komponenten
ByMedCard-HCPP baut auf den Ergebnissen der Projekte ByMedCard, DIABCARD (1) und HCPP (Health Care Professionals’-Protokoll) (2) auf. Es übernimmt die in ByMedCard/
DIABCARD erarbeiteten Konzepte für ein Diabetes-spezifisches Dokumentationssystem sowie die dort erarbeiteten Sicherheitskonzepte (3) einerseits und umfasst die Anwendung der Health Professional Card (HPC) und des HCPP-Clients andererseits.
In dem Projekt HCPP – durchgeführt im Rahmen von Bayern online durch die KV Bayerns und die Bayerische Lan­des­ärz­te­kam­mer – ging es darum, einen sicheren Übertragungsstandard für das Bayerische Gesundheitsnetz, basierend auf Health Professional Cards und „Trusted Third Party“-Strukturen, zu realisieren. Entwickelt wurde ein sicheres Mailsystem, der so genannte HCPP-Client, unter Verwendung des HCP-Protokolls und einer vorläufigen „Arztkarte“, die der deutschen HPC-Spezifikation Version 1.0 (4) teilweise entspricht.
Das Kommunikationsprotokoll VCS vom Verband Deutscher Arztpraxis-Softwarehersteller (VDAP) soll berücksichtigt werden, sobald es das HCP-Protokoll verarbeiten kann. ByMedCard-HCPP nutzt darüber hinaus die in dem Projekt HCPP entstandene Infrastruktur.
Im Rahmen des Projektes werden der Diabetes-Pass, der Entlassbrief und der Arztbrief kommuniziert. Dabei werden Diabetes-Pass und Entlassbrief von der Klinik
zu den niedergelassenen Ärzten – Hausärzte und Schwerpunktpraxen – mit der DIABCARD übermittelt. Der Diabetes-Pass steht ständig auf der Karte aktuell zur Verfügung und wird von sämtlichen beteiligten Ärzten mit Daten ergänzt (Abbildung 1). Auf den Arztbrief kann der niedergelassene Arzt über einen zu diesem Zweck entwickelten Dokumenten-Server zugreifen. Er ruft ihn über das Netz mit dem HCPP-Client unter Verwendung der HPC und DIABCARD ab.
Für die Dokumentation medizinischer Daten verwenden die niedergelassenen Ärzte ein Dokumentationssystem, das auf dem DIABCARD-Kernsystem, dem chipkartenbasierten medizinischen Informationssystem des Projektes ByMedCard und dem DIADOQ-Pass-System basiert. Im Krankenhaus soll ein Diabetes-spezifisches Dokumentationssystem eingesetzt werden, das mit der Lösung
e-Health.Solutions der Firma GMD entwickelt wird.
Auf die Patientendaten, sei es in der verteilten elektronischen Patientenakte, sei es auf der Patientenchipkarte, können die Anwender erst nach erfolgreicher Authentifizierung mittels der HPC zugreifen. Die digitale Signatur gewährleistet dabei die Authentifikation der beteiligten Principals (Nutzer, Systeme, Anwendungen und andere), die Unbestreitbarkeit von Ursprung und Empfang von Informationen sowie die Prüfung der Integrität der Daten. Außerdem wird die Vertraulichkeit übertragener Informationen durch moderne Verschlüsselungsverfahren gesichert.
Das System wird zusammen mit dem Klinikum Augsburg, der II. Medizinischen Klinik des Zentralklinikums und Medizinischen Klinik des Krankenhauses Haunstetten entwickelt. Eine Evaluation wird vorbereitet. Mit diesem Ansatz soll die Grundlage für ein erweiterbares, flächendeckendes System entstehen, das sich in das vom Bundesministerium für Gesundheit geplante Gesundheitskartenkonzept mühelos einpasst.
Ausblick
Einzelne Komponenten des Systems – der Diabetes-Arbeitsplatz für die Klinik, das Dokumentationssystem für die Arztpraxis und die Kommunikationsinfrastruktur für den Austausch von Patientendaten zwischen Klinik und Arztpraxis – wurden entwickelt, wo notwendig erweitert und getestet.
Vor allem die sichere Umgebung unter Verwendung einer PKI (Public Key Infrastructure) hat gezeigt, dass das Prinzip zwar funktioniert, Testmöglichkeit und Routineanwendung aber noch weiter vorbereitet werden müssen. Das Fehlen einer HPC durch Vergessen, Verlieren oder einen technischen Defekt darf nicht dazu führen, dass das gesamte System unbrauchbar wird. Notfalllösungen sind unabdingbar.
Der Diabetes-Arbeitsplatz für das Krankenhaus ist eine Entwicklung, die in ihrer Funktionalität über die bloße Dokumentation und Kommunikation medizinischer Daten hinausgeht. Elektronische Krankenakte, integrierte Arztbriefschreibung, Diagnose- und DRG-Kodierung, Entscheidungsunterstützung durch Leitlinien-Module und terminologische Dienste sind in das Konzept integriert. Das System ist Diabetes-spezifisch ausgerichtet: Es enthält den „Strukturierten Aufnahmebogen für Diabetiker“ des DIADOQ-Projekts, den Diabetes-Pass der Deutschen Diabetes-Gesellschaft sowie einen um Diabetesspezifika erweiterten Entlassbrief. Darüber hinaus unterstützen Diabetes-relevante Diagnoselisten, Untersuchungsformulare und Therapieregime den Arzt.
Das System wird in einer ersten Version auf der Medica 2002 vorgeführt und diskutiert. Nach der Installation wird es anhand eines Konzeptes evaluiert, das auf den Ergebnissen verschiedener europäischer Projekte (VATAM, ISHTAR, Trusthealth und DIABCARD) beruht. Rolf Engelbrecht, Christine Birkmann,
Hans Demski,
Claudia Hildebrand
Anschrift für die Verfasser: Dr. rer. pol. Dipl.-Ing. Rolf Engelbrecht, GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Institut für Medizinische Informatik, Ingolstädter Landstraße 1, 85764 Neuherberg


Literatur
1. Hildebrand C, Engelbrecht R, Demski H: DIABCARD – Improved Communication in Diabetes Care Based on Chip Card Technology; Conference on Project Partnering for Users, Solution Providers and Research Communities of the Member States of the European Union and the Newly Associated States, Budapest, 28.–29. 6. 2001. Proceedings. CD (2001).
2. Das gemeinsame Förderprojekt „HCP-Protokoll“ für BayNet; www.hcp-protokoll.de.
3. Blobel B, Pharow P, Spiegel V, Engel K, Engelbrecht R: Securing interoperability between chip card based medical information systems and health networks. International Journal of Medical Informatics 64 (2001).
4. Erste deutsche HPC; www.hcp-protokoll.de (Elektronischer Arztausweis).
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