ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002Zwischen Arznei und Gesellschaft

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Zwischen Arznei und Gesellschaft

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): A-3009 / B-2542 / C-2261

Scheler, Werner; Oehme, Peter

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LNSLNS Biografie
Umfassende Lebenserfahrung
Werner Scheler, Peter Oehme: Zwischen Arznei und Gesellschaft. Zum Leben und Wirken des Friedrich Jung. (Abhandlungen der Leibniz-Sozietät, Band 8.) Trafo Verlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin, 2002, 221 Seiten, 36 Abbildungen und Dokumente, Paperback, 20,35 €
Es gibt wenige Länder, in denen politische Entwicklungen sich so direkt in Inhalten und Strukturen der Wissenschaft sowie besonders auch in Lebensläufen von Forschern ablesen lassen wie in Deutschland. Wer die Wiedervereinigung bewusst miterlebt hat, hatte häufig Gelegenheit, auf Menschen zu treffen, deren wissenschaftliches und persönliches Schicksal vom dramatischen Wechsel der politischen Systeme geprägt war. Es ist wichtig, diese Besonderheiten unserer Geschichte festzuhalten und so zur Bewahrung der Traditionen in der deutschen Wissenschaftsgeschichte beizutragen.
Diesem Anliegen hat sich das Buch in lebendiger und nachvollziehbarer Weise angenommen. Mit Friedrich Jung wird ein deutscher Mediziner und dessen Lebensweg durch fünf Gesellschaftsformationen vorgestellt: Beginnend im deutschen Kaiserreich, über die Weimarer Republik, das Dritte Reich, das geteilte Nachkriegsdeutschland, bis hin zur deutschen Vereinigung. Die Autoren berichten über Jungs Verdienste in seinem Fachgebiet, der Pharmakologie, und in der Molekularbiologie. Gleichfalls schildern sie Jung als einen engagierten Gesundheitspolitiker, der das Arzneimittelwesen der DDR wesentlich geprägt hat. Dabei unterschlagen sie auch nicht, dass die Wirrungen und Wendungen der deutschen Geschichte um Jung keinen Bogen gemacht haben.
Der Rezensent ist mit Friedrich Jung nach der „Wende“ auf dem traditionsreichen Biomedizinischen Campus Berlin-Buch mehrfach zusammengetroffen und hat ihn als einen stets kritisch hinterfragenden, nicht immer bequemen Zeitgenossen kennen gelernt. Jungs Auffassungen konnte man nicht immer teilen, aber seine umfangreiche Lebenserfahrung war stets eine anregende Quelle.
Das Buch zeigt uns diesen Friedrich Jung, stets voller origineller Gedanken, mit all seinen Stärken und auch seinen Schwächen. Dabei kann der Leser zum einen aus dem Lebensweg Friedrich Jungs zahlreiche Anregungen entnehmen. Zum Zweiten sprechen die zahlreichen, in vielen Fällen noch nicht veröffentlichten Bilder und Dokumente (zum Beispiel Jungs Schriftwechsel mit Robert Havermann) eine eigene Sprache. Deshalb ist das Buch als ein Stück deutscher Medizingeschichte für den älteren Leser interessant, der diese Zeit erlebt hat. Zum anderen kann es den jüngeren Leser anregen, gelegentlich einen Blick in die deutsche Wissenschaftsgeschichte zu werfen mit ihrem „wenig glatten Verlauf“ und ihren zahlreichen Verwerfungen.
Detlev Ganten
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