ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/2002Bildverwaltungsprogramme: Das digitale Fotoalbum

Supplement: Praxis Computer

Bildverwaltungsprogramme: Das digitale Fotoalbum

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): [18]

Brand, Kurt

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Abbildung: Fotoverwaltung mit ACD See
Abbildung: Fotoverwaltung mit ACD See
In den letzten Jahren sind die digitalen Fotobestände stetig gewachsen. Mit entsprechender Software kann der Fotoamateur digitale Bilder bequem nachbearbeiten und verwalten.
Mit der digitalen Kamera lassen sich Veranstaltungen und Privatfeiern hervorragend dokumentieren. Auch wenn die Urlaubsfotos in der Regel noch auf Kleinbildfilm gebannt werden, können sie zumindest bei der Entwicklung digitalisiert werden. Das Anschauen von Fotos am Computer ist effizienter als mittels Papierabzug, und die Bilder können nicht mehr durcheinander geraten.
Die Möglichkeiten der digitalen Fotoherstellung und -verarbeitung sind inzwischen auch mit Amateurmitteln so gut geworden, dass sich Abzüge bis zur DIN-A4-Größe drucken lassen, die vom optischen und haptischen Eindruck her einem Laborabzug gleichen. Auf einer 10-GByte-Festplatte lassen sich mehr als Zehntausend solcher Fotos speichern – Speicherplatz für ein ganzes Amateur-Lebenswerk stellt also kein unüberwindliches Hindernis mehr dar. Und den Verwandten beim Abschied die fertigen Schnappschüsse des Besuches in die Hand drücken zu können, ist ohnehin ein unschlagbarer Vorteil der digitalen Fotografie. Die Digitalisierung der Fotos erschließt darüber hinaus völlig neue Vermarktungswege.
Die Zeit ist somit reif, über die systematische Verwaltung des digitalen Fotobestandes nachzudenken. Es ist nicht schwer, entsprechende Software zu finden, dazu genügt ein Spontankauf in
jedem größeren Computergeschäft.
Allerdings legt man sich mit seiner Wahl fest, denn es ist beschwerlich oder gar unmöglich, Bildinformationen, wie zum Beispiel Beschreibung und Stichworte, die man mit dem einen Programm eingibt, mit dem nächsten wieder auszulesen. Im Sinne einer Investitionssicherheit – hier ist nicht der eher geringe Preis der Software, sondern der Aufwand zur Eingabe der Bildinformationen gemeint – sollte man also das richtige Programm sorgfältig auswählen.
Aus diesem Grund wurden zehn Programme getestet, allesamt leicht aus dem Internet und für Testzwecke kostenfrei herunterzuladen, alle ohne Komplikationen zu installieren und durchweg einfach zu bedienen (siehe Kasten). Die Auswahl ging auf Testberichte und Referenzen zurück, die im Web zu finden waren. Der Preis dieser Programme (meist deutlich unter 100 Euro) kann gegenüber den anderen Komponenten der digitalen Fotografie vernachlässigt werden.
Überraschendes Gesamtergebnis ist: Keines der getesteten Programme konnte sämtliche Anforderungen voll erfüllen, obwohl diese als Standard für den üblichen Gebrauch gelten können. Am besten kam das Programm „ACD See“ weg, auch wenn es, was die Speicherung von Bildinformationen angeht, nur im Mittelfeld liegt.
Programme für die digitale Fotoverwaltung haben drei Funktionen: Organisieren, Anzeigen und Bearbeiten von Fotos. Im Modus „Organisieren“ werden Übersichten mit kleinen Vorschaubildern, so genannten Thumbnails, angezeigt und Bildinformationen eingegeben (siehe Abbildung). Der Anzeigemodus zeigt einzelne Bilder mit Zoomfunktion oder Serien als Diaschau. Die Fotobearbeitung korrigiert rote Augen oder richtet ein Bild gerade. Letzteres spielt für das digitale Foto eine große Rolle, denn selbst Abweichungen von einem Grad fallen bei der Betrachtung am Bildschirm unangenehm auf, weil die Bildschirmkanten die exakte Waagerechte und Senkrechte augenfällig machen. Beim Papierabzug, das „irgendwie“ auf dem Tisch liegt, gibt es diesen Orientierungsanhalt nicht.
Funktionsmerkmale
Die wichtigsten Funktionsmerkmale eines Fotoverwaltungsprogramms sind:
Bearbeitungsmodus
N 1/4-Drehung (Aufnahmen im Format „Porträt“ liegen nach dem Einlesen aus der digitalen Kamera auf der Seite), Drehung um wenige Grad;
N automatische Umbenennung (zum Beispiel Aufnahme des Datums in den Dateinamen);
N Bild zuschneiden (für einen Ausschnitt und weil nach der Drehung Ränder abgeschnitten werden müssen);
N Helligkeit und Kontrast verbessern, rote Augen entfernen (Letzteres ist zwar eine Fotoverfälschung, kann aber als erlaubte Verbesserung gelten, denn rote Augen sind ein Artefakt).
Anzeigemodus
N schnelle Anzeige von Thumbnails, Diashow und Vollbildanzeige (ein zu langsames Anzeigen der Fotos ist der häufigste Mangel der Programme);
N leichte Zoommöglichkeit;
N Einblenden einer Bildbeschreibung bei Diashow und Vollbildanzeige;
N ergonomisch angenehmes Interface.
Organisationsmodus
N Auslesen von EXIF-Informationen (EXIF ist die Abkürzung von „exchangeable image file format“; EXIF-Informationen, beispielsweise Aufnahmedatum und Belichtungseinstellungen, entstehen bei Aufnahmen mit Digitalkameras und werden mit in die jpg-Datei geschrieben);
N Eingabe von Bildinformationen;
N Sortierung per Drag und Drop;
N Ausgabe als fertige Web-Dateien.
Die getesteten Programme haben unterschiedliche Stärken. So ist etwa der Arles Image Web Page Creator, wie schon sein Name sagt, mit umfangreichen Möglichkeiten ausgestattet, Web-Seiten zu erzeugen, aber für das komplette Organisieren von Fotodateien weniger gut geeignet. Für das Programm ACD See gilt das Gegenteil: Es besticht durch die schnelle Anzeige, kann aber Bildinformationen nicht nach HTML exportieren. Im Bearbeitungsmodus beeindruckt PhotoImpact zum Beispiel mit der Möglichkeit, gebogene (weitwinklig aufgenommene) Türme gerade zu richten. Aber auch PhotoImpact patzt in einer anderen Disziplin, denn Bildinformationen werden bei einer Diaschau ohne Hintergrundfarbe über das Foto geschrieben, was in vielen Fällen zur Unlesbarkeit führt.
Keines der zehn getesteten Programme konnte schließlich ganz überzeugen. Als Basis für die eigene Auswahl muss der überwiegende Einsatzzweck herangezogen werden.
Kurt Brand

Liste der getesteten Programme
Die Spitzenreiter:
N ACD See 4.0 (ACD Systems Ltd., www.acdsystems.com/Deutsch/
index.htm)
N PhotoImpact 7 (Ulead Systems, Inc., www.ulead.de)
N Arles Image Web Page Creator 4.73 (Digital Dutch, www.digital
dutch.com)

Die weiteren Programme:
- CodedColor 2.5 (1Stein GmbH, www.1stein.de)
- CompuPic Pro 6.1 (Photodex Corp., www.photodex.com)
- DiaShow 3.6 (AquaSoftware, www.aquasoftware.de)
- IrfanView 3.75 (Irfan Skiljan, http://irfanview.tuwien.ac.at)
- RB-PictureBase 1.50 (Ralf Becker DV Beratung, www.rb-picturebase.de)
- ThumbsPlus 2002 (Cerious Software, Inc., www.thumbsplus.de)
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