ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002Kardiale Effekte von Amiodaron: Optikusneuropathie durch Amiodaron
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Im Rahmen der okulären Nebenwirkungen wird von den Autoren keine detaillierte Angabe gemacht, jedoch auf die Notwendigkeit einer Spaltlampenuntersuchung bei Therapiebeginn und bei klinischer Symptomatik hingewiesen.
Die Amiodaron-Keratopathie, die bei fast allen Amiodaron-Patienten in unterschiedlichem Ausmaß zu beobachten ist, stellt die bekannteste Komplikation auf augenheilkundlichem Gebiet dar. Hierbei kommt es zunächst zu intrazellulären Epitheleinschlüssen vor allem im Bereich der Basalzellschicht. Bei langfristiger Anwendung konnten Einlagerungen auch im komealen Stroma und im Endothel festgestellt werden (1). Die Hornhauteinschlüsse (klinisch als Cornea verticillata imponierend) können zwar vermehrtes Blendungsempfinden hervorrufen, führen aber zu keinen ernsten ophthalmologischen Folgeerscheinungen.
Ich möchte auf eine viel schwerwiegendere Komplikation am Auge hinweisen. Bei dem noch relativ wenig bekannten Krankheitsbild der Amiodaron-induzierten Optikusneuropathie handelt es sich um eine seltene, ernsthafte Sehnervenschädigung durch dieses Antiarrhythmikum, die gekennzeichnet ist durch schleichend einsetzenden, langsam progressiven ein- oder beidseitigen Visusverlust in Kombination mit einem Papillenödem (2). Monate nach Absetzen von Amiodaron kann es zu einem Stillstand des Krankheitsprozesses kommen; ein bereits bestehender Visusverlust bessert sich jedoch nicht. Die Gesichtsfelder der betroffenen Patienten sind in unterschiedlichem Ausmaß betroffen (3, 4). Damit unterscheidet sich die Amiodaron-assoziierte Optikopathie im klinischen Erscheinungsbild deutlich von der akut einsetzenden, nichtarteriitischen anterioren ischämischen Optikopathie, die bei den kardiovaskulär vorbelasteten Patienten ebenfalls vermehrt vorkommen kann.
Über die Pathogenese dieser seltenen, ernsthaften Augenkomplikation durch antiarrhythmische Medikation mit Amiodaron ist nichts bekannt. Der schleichende, irreversible Verlauf kann nur durch einen sofortigen Therapiestopp aufgehalten werden. Bei Visusverschlechterung von mit Amiodaron therapierten Patienten ist daher eine unverzügliche augenärztliche Untersuchung unter Einbeziehung von Visus, Spaltlampenbefund, Perimetrie und Papillenbeurteilung sinnvoll. Wegen der Unumkehrbarkeit des Verlaufs und der sozialen und gesundheitsökonomischen Bedeutung eines gravierenden Visusverlustes sollte diese fatale, wenn auch seltene, unerwünschte Wirkung von Amiodaron verordnenden Ärzten bekannt sein. Therapeutische Alternativen sind bei betroffenen Patienten notwendig, um eine Erblindung zu verhindern.

Literatur
1. Ciancaglini M, Carpineto P, Zuppardi E, Nubile M, Doronzo E, Mastropasqua L: In vivo confocal microscopy of patients with amiodarone-induced keratopathy. Cornea 2001; 20: 368–373.
2. Macaluso DC, Shults WT, Fraunfelder FT: Features of amiodarone-induced optic neuropathy. Am J Ophthalmol 1999; 127: 610–612.
3. Eryilmaz T, Atilla H, Batioglu F, Gunalp I: Amiodarone-related optic neuropathy. Jpn J Ophthalmol 2000; 44: 565–568.
4. Krieg P, Schipper I: Bilaterale Optikoneuropathie nach Amiodarontherapie. Klin Monatsbl Augenheilkd 1992; 200: 128–132.

Dr. Thomas Theelen
Department of Ophthalmology
University Medical Centre Nijmegen
P.O. Box 9101
6500 HB Nijmegen/NL

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige