ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002Tischkultur: Kostbares Kunsthandwerk

VARIA: Feuilleton

Tischkultur: Kostbares Kunsthandwerk

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): A-3035 / B-2562 / C-2402

Gold, Dagmar

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Art-de´co-Silberkühlerständer „Galet“
Art-de´co-Silberkühlerständer „Galet“
Die Pariser Manufaktur Ercuis ist ein Traditionsunternehmen,
das seit 1867 Silbergegenstände für die festliche Tafel herstellt.

Der Trend zum guten Essen und Trinken hat die neue Lust an edler Tischkultur geweckt. Ein geselliger Abend auf der Terrasse, eine Einladung unter Freunden oder ein Dinner zu zweit bilden ein Korrektiv zum beruflichen Stress und der Hektik des Alltags. Dabei verbindet sich die Sehnsucht nach Dolce Vita und südländischer Gelassenheit mit dem Wunsch nach solider Ma- terialqualität. Außer-gewöhnliche Tischgegenstände kommen nicht selten aus Frankreich. Die Pariser Manufaktur Ercuis ist ein solches Traditionsunternehmen, das seit 1867 Silbergegenstände für die festliche Tafel herstellt. Das Besondere liegt in der hohen Verarbeitungsqualität und der zeitgemäßen Gestaltung. Es gibt Silberware für jede Gelegenheit, die den Anforderungen nach moderner, gehobener Esskultur entspricht.
Der Gründer von Ercuis, Adrien Céleste Pillon, schuf vor 135 Jahren die Grundlage für die handwerklich hoch stehende Gold- und Silberschmiedekunst in dem kleinen Ort Ercuis bei Paris, dessen Namen die Firma heute trägt. Die Tafelgegenstände erfreuten sich bald großer Beliebtheit und sorgten für einen schnellen Aufschwung des Örtchens Ercuis: Silber- oder goldplatierte Tee- und Kaffeeservices sowie Silberbestecke gehörten zu den beliebtesten Stücken. Bald wurde eine Verkaufsdependance in Paris gegründet.
Ende des 19. Jahrhunderts gingen die neuen Inhaber, die Familie Maes, zur maschinellen Produktion über, um dem Bedarf gerecht zu werden. Als Teilnehmer bei den großen Weltausstellungen 1899 und 1900 gehörten sie bereits zu den führenden Ausstattern für Grandhotels in Europa und bald auch in den USA. In der Zeit des Art déco und den goldenen 20er-Jahren entstanden edle Gegenstände von klarer Gestaltung, die zum Teil bis heute gefertigt werden. Die neue Reiselust der wohlhabenden Schicht sorgte für Bedarf an neuem Tischgerät. Große Schifffahrtsgesellschaften, Compagnie des Chargeurs Réunis und Compagnie Générale Transatlantique, schrieben einen Wettbewerb für die Ausstattung ihrer Restaurants aus, den Ercuis gewann. Die Luxusliner „Ile de France“, „Normandie“ und „Ville d’Alger“ bewirteten ihre wohlhabenden Passagiere nun mit Silbergerät der Pariser Orfèvrerie.
Art-de´co-Silberschale „Galet“ Fotos: Edition Deutscher Ärzte-Verlag
Art-de´co-Silberschale „Galet“ Fotos: Edition Deutscher Ärzte-Verlag
Mit der Demokratisierung Europas und der gesellschaftlichen Umschichtung nach dem Zweiten Weltkrieg konzentriert man sich zwar weiterhin auf Geräte in traditioneller Gestaltung, berücksichtigt aber verstärkt den zeitgenössischen Geschmack, um dem veränderten Lebensstil Rechnung zu tragen. Die Stärken von Ercuis blieben bis heute erhalten: handwerkliche Arbeit, moderne Gestaltung, die auf langer Erfahrung fußt, Qualitätsbewusstsein und Liebe zum Detail. Das Untermaterial für die hochwertig versilberte, geformte Ware ist Messing aufgrund seiner Biegbarkeit und Stabilität. Jedes Stück wird in verschiedenen Einzelprozessen gefertigt: Zuschneiden, Formen, Versilbern, Gravieren, Embossieren, Polieren . . . Alle diese Arbeitsschritte in der Fertigung und Nachbearbeitung erfordern die Hand eines erfahrenen Handwerksmeisters und sein spezifisches Know-how.
Ercuis ist bekannt für seine besonders hochwertige und langlebige Versilberung. Hier gibt es große Unterschiede in Bezug auf Dicke des Silberauftrags und Untergrundmaterial. Im Elektrolyseverfahren wird reines Silber auf das Gerät aufgetragen, weit mehr als bei versilbertem Gerät üblich. Der normale Qualitätsstandard I erfordert eine Versilberung von 33 Mikron Silber. Ercuis versilbert mit ungefähr der doppelten Silbermenge, das heißt mit 63 Mikron. So haftet die extra dicke Silberschicht perfekt an dem Gegenstand und sorgt für Freude beim täglichen Gebrauch des edlen Tischgeräts. Dagmar Gold
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