ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002Schilddrüse: Was sich hinter latenter Hypothyreose verbirgt

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Schilddrüse: Was sich hinter latenter Hypothyreose verbirgt

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): A-3037

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Die Behandlung einer latenten Hypothyreose ist indiziert bei Zustand nach ausgedehnter Schilddrüsenresektion, Radiojodtherapie, externer Bestrahlung der Halsregion, wenn die TSH-(thyroidstimulierenden Hormon-)Werte über 4 mU/l liegen und TPO-(Thyreoidale Peroxidase-)Antikörper nachzuweisen sind. Ein Therapieversuch ist nach Angabe von Prof. Karl-Michael Derwahl (Berlin) möglich bei Patientinnen mit subklinischer Hypothyreose, die sich Nachwuchs wünschen.
Auch wenn keine Anovulation vorliege, sei nach neueren Untersuchungen durch Levothyroxin die Fertilitätsrate zu steigern, so Derwahl. Eine latente Hypothyreose in der Schwangerschaft zählt aufgrund der erhöhten Raten an Spontanaborten, Frühgeburten, kindlichen Missbildungen und neuropsychologischen Entwicklungsstörungen zu den absoluten Therapieindikationen.
Zu den relativen Indikationen zählt Derwahl außerdem Patienten mit depressiven Erkrankungen oder anderen neuropsychiatrischen Störungen, die klinische Symptome eines relativen Schilddrüsenhormonmangels aufweisen. Da die klinischen Zeichen recht unspezifisch sind, andererseits nach einer neuen Untersuchung in Deutschland fast neun Prozent der postmenopausalen Frauen eine latente Unterfunktion zeigen, werde immer wieder ein Screening diskutiert. Bei erhöhtem basalen TSH und noch normalem fT4 (freies Thyroxin) mit positivem Antikörpernachweis sieht Derwahl einen Therapieversuch mit 50 µg Levothyroxin als gerechtfertigt an; er verwies jedoch mit Nachdruck darauf, bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit zur Vermeidung von Angina-pectoris-Beschwerden mit einer niedrigeren Dosierung (12,5 beziehungsweise 25 µg) zu starten und die Dosis langsam zu steigern.
Bei der Hyperthyreose im Rahmen eines Morbus Basedow plädierten die Referenten dafür, vor einer definitiven Therapie durch eine einjährige Behandlung mit Thyreostatika eine euthyreote Stoffwechsellage und damit eine Spontanremission zu bewirken. Speziell Jugendliche profitieren von diesem Vorgehen: „Damit können wir vier von zehn Jugendlichen die Radiojodtherapie (RIT) ersparen“, sagte Prof. Klaus Mann (Lüdenscheid).
Unterstützung erhielt er dabei vom Strahlentherapeuten Prof. Christoph Reimers (Würzburg), der darauf verwies, dass die RIT mit Jod 131 zwar bei Erwachsenen nicht mit einem erhöhten Karzinomrisiko einhergeht, wohl aber bei Kindern und Heranwachsenden. Erfahrungen in Tschernobyl legen bei Kindern unter vier Jahren eine Steigerung von 1 : 100 000 auf den 30fachen Wert nahe, bei Exposition im Alter zwischen vier und zwölf ein siebenfach und zwischen zwölf und 18 Jahren ein 1,5fach erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkarzinome – obwohl die Schilddrüsendosis massiv unter derjenigen einer RIT gelegen habe.
Beim Einsatz von Thyreostatika verwies Mann darauf, dass sie hoch dosiert nicht wirksamer, wohl aber deutlich nebenwirkungsreicher sind. Er empfahl angesichts der derzeitigen Jodversorgung Initialdosen von 20 mg Thiamazol. Die zusätzliche Gabe von Levothyroxin nach Absetzen der antithyroidalen Medikation erhöhe nach jüngsten Untersuchungen die Remissionsraten nicht. Um eine Remission bei Morbus Basedow zu sichern, habe sich die Bestimmung des basalen TSH etwa vier Wochen nach Absetzen der Medikation als besserer Parameter als die Bestimmung der TSH-Rezeptorantikörper mit dem Assay der 2. Generation (humaner TRAK-Assay) erwiesen.
Dr. Renate Leinmüller

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