ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002Morbus Alzheimer: Der Demenz multimodal begegnen

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Morbus Alzheimer: Der Demenz multimodal begegnen

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): A-3038

Heim, Thomas

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LNSLNS Das Zusammenspiel qualifizierter pflegerischer, psychosozialer und medikamentöser Maßnahmen scheint den Verlauf der Alzheimer-Demenz für Betroffene und Angehörige erheblich zu erleichtern. Dabei wird ein schweregradabhängiges Vorgehen empfohlen. Entgegen einem immer noch weit verbreiteten therapeutischen Nihilismus betonten Demenzexperten im Rahmen des 3. Kongresses der Deutschen Alzheimer Gesellschaft die Notwendigkeit einer multimodalen Therapie.
Diese umfasst deutschen Behandlungsleitlinien zufolge neben schweregradabhängigen umfeldstrukturierenden, pflegerischen, psychosozialen und rehabilitativen Maßnahmen eine stratifizierte medikamentöse Therapie (Tabelle). Von einer solchen Therapiestrategie könnten viele Alzheimerkranke erheblich profitieren, so die Einschätzung von Dr. Ralf Ihl (Düsseldorf). Die Wirksamkeit psychotherapeutischer und umfeldstrukturierender Maßnahmen sei zwar bei Demenzpatienten nicht systematisch untersucht, man solle sie aber trotzdem einsetzen, da sie die Interaktion zwischen Betreuenden und Kranken erleichtern und einen Zuwachs an Lebensqualität bedeuten. Zudem könne durch solche Maßnahmen in vielen Fällen eine ambulante Versorgung länger aufrechterhalten werden als ohne spezifische Hilfen.
Aus neueren Studien zur Pharmakotherapie, die aktuellen methodischen Anforderungen genügen, kann man nach Angaben von Ihl ableiten, dass Donepezil, Galantamin, Gingko biloba, Memantine, Rivastigmin und Tacrin für die Therapie des demenziellen Kernsyndroms als wirksam anzusehen sind. Mithilfe dieser Substanzen könne bei Alzheimer-Demenz eine Verlaufsverzögerung von bis zu einem Jahr erreicht werden. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass nach drei Jahren ohne Antidementiva etwa 80 Prozent der Patienten in ein Heim eingewiesen werden müssen, mit Antidementiva circa 40 Prozent.
Ob durch antioxydativ wirkende Substanzen wie Gingko biloba bei Gesunden ein Demenz-prophylaktischer Effekt erreicht werden kann, werde derzeit in entsprechenden Studien geprüft.
Dr. med. Thomas Heim

Symposium „Gemeinsam handeln – Alzheimerkranke in Deutschland“, Dr. Willmar Schwabe in Friedrichshafen
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