ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002Rentenfonds: Perspektiven, wenn die Konjunktur anspringt

VARIA: Wirtschaft

Rentenfonds: Perspektiven, wenn die Konjunktur anspringt

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): A-3040

Löwe, Armin

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LNSLNS Wenn der Aufschwung kommt, steigen die Zinsen. Die Rentenfonds, die man dann im Depot hat, sollten mit kurzfristigen Anleihen bestückt sein.

Rentenfonds waren viele Jahre die großen Favoriten bei den Anlegern. Erst im Jahr 1998, als sich die Spekulationsblase an den Aktienmärkten bildete (die im März/April 2000 ihren Höhepunkt erlebte), verloren die Rentenfonds ihre Favoritenstellung und galten plötzlich als langweilig und unattraktiv. „Aktien schlagen Renten“, so der Slogan. Aber auch wenn dieser Satz langfristig gelten dürfte, gibt es immer wieder Phasen, in denen es besser ist, Rentenfonds im Depot zu haben. In den letzten drei Jahren brachte der „ganz normale“ Rentenfonds, der überwiegend in Bundesanleihen anlegt, Wertzuwächse zwischen 15 und 20 Prozent.
Bei steigenden Zinsen sinken die Kurse der Rentenfonds
Aber auch die Kurse der Rentenfonds können sinken, nämlich dann, wenn die Zinsen steigen. Dies mussten die Anleger in den Jahren 1994 und 1999 erkennen. Damals kletterten die Zinsen und drückten die Kurse. Bei steigenden Zinsen müssen die Kurse der Anleihen fallen, das ist ein ehernes Gesetz, auch der beste Rentenfondsmanager kann sich diesen Zusammenhängen nicht entziehen. Denn über den Kursrückgang werden die Renditen der umlaufenden Anleihen an das höhere Marktzinsniveau angepasst.
Noch vor wenigen Monaten dachte man, die Zinsen hätten ihr Tiefstniveau erreicht und könnten nur noch nach oben gehen. Diese Erwartung hätte Kursverluste für die Rentenfonds bedeutet. Noch zur Jahresmitte rechneten die Auguren mit einer Konjunkturerholung, die die Notenbanken zu präventiven Zinserhöhungen veranlassen könnte, um eventuell aufkommende Inflationstendenzen im Keim zu ersticken. Mittlerweile ist jedoch sicher, dass es frühestens im ersten Halbjahr 2003 zum heiß ersehnten Aufschwung kommen kann. Damit sind die Erwartungen auf steigende Zinsen weiter aufgeschoben – aber nicht aufgehoben. Eine Konjunkturerholung wird unweigerlich mit zumindest moderat steigenden Zinsen verbunden sein.
Anleger, die dann auf Nummer sicher gehen wollen, werden in Rentenfonds umschichten, die nur in Kurzläufer anlegen. Denn je kürzer die Laufzeit, umso weniger wirken sich Zinserhöhungen auf die Kurse der umlaufenden Anleihen aus. Die Kehrseite der Medaille: Bei kürzeren Laufzeiten muss der Anleger mit einer geringeren Rendite vorlieb nehmen.
Auch der Manager eines Rentenfonds hat natürlich die Möglichkeit, die durchschnittliche Laufzeit der in seinem Portefeuille befindlichen Anleihen zu reduzieren und damit die negative Auswirkung von Zinserhöhungen zu dämpfen. Aber einen Fonds mit Langläufern zu einem Kurzläuferfonds zu machen, ist ihm nicht möglich, weil ihn die Anlagebedingungen daran hindern. Mit den Prinzipien von Produktwahrheit und -klarheit („Was draufsteht, muss auch drin sein.“) würde sich ein solches Vorgehen nicht vertragen. Diese Entscheidung muss der Anleger selbst vornehmen, indem er von Langläuferfonds in Kurzläuferfonds wechselt. Allerdings ist damit in der Regel auch ein leichter Renditeverlust verbunden.
Aber auch der Fondsmanager ist steigenden Zinsen nicht ganz schutzlos ausgesetzt. Neben der in Grenzen möglichen Reduzierung der Laufzeiten ist es manchen Rentenfondsmanagern auch erlaubt, neben den sicheren Staatsanleihen der Industrieländer Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen ihrem Portefeuille beizumischen. Die Kursentwicklung von Unternehmens- und Schwellenländeranleihen hängt nur wenig von Zinsänderungen ab. Viel wichtiger für diese ist die Bonitätsentwicklung.
Fingerspitzengefühl der Fondsmanager
Gelingt es dem Fondsmanager, Anleihen von Unternehmen oder Schwellenländern in seinem Portefeuille zu haben, deren Bonität sich verbessert und deren Rating von den Agenturen angehoben wird, sind bei steigendem Zinstrend auch Kursgewinne möglich. Allerdings kann sich diese Strategie auch als Bumerang erweisen. Dies passierte in den letzten Monaten am europäischen Markt der Unternehmensanleihen. Die Sorgen um die hohe Verschuldung der Unternehmen (vor allem im Telekom-Sektor) haben zu einer verminderten Bonität dieser Schuldner und zu erheblichen Kursverlusten in diesem Anleihesektor geführt. Nur mit viel Fingerspitzengefühl können sich Fondsmanager also von der Zinsentwicklung abkoppeln, indem sie Schwellenländer- und Unternehmensanleihen beimischen. Und ein solches Vorgehen ist auch nicht allen Fondsmanagern erlaubt: Wenn in den Vertragsbedingungen steht, dass nur Anleihen bester Bonität und langer Laufzeiten erworben werden dürfen (Rating: AAA), ist der Fonds vollständig von der Zinsentwicklung abhängig. Armin Löwe
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