ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1996Reduziert perioperative Normothermie das Risiko einer Wundinfektion?

MEDIZIN: Referiert

Reduziert perioperative Normothermie das Risiko einer Wundinfektion?

mll

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LNSLNS Die Wundinfektion ist im allgemeinen eine ernste Komplikation nach chirurgischen Eingriffen. Durch diese Komplikationen können die Krankenhausverweildauer zwischen 5 und 20 Tagen verlängert und somit die Kosten erhöht werden. Bei kolorektalen Eingriffen schwankt das Risiko einer Wundinfektion zwischen 3 und 22 Prozent und ist abhängig von mehreren Faktoren, wie beispielsweise der Dauer der Operation.
Eine leichte Hypothermie stellt sich im allgemeinen bei größeren kolorektalen Eingriffen ein (etwa 2 Grad Celsius unterhalb der normalen Körperkerntemperatur). Hierdurch könnte die chirurgische Wundinfektion gefördert werden. Als möglicher Pathomechanismus kommt eine thermoregulatorische Vasokonstriktion mit reduzierter subkutaner Sauerstoffkonzentration in Frage. Dadurch wird zum einen die Funktion der neutrophilen Granulozyten beeinträchtigt, zum anderen kommt es zu einer geringeren Neubildung kollagener Fasern. Ferner beeinträchtigt Hypothermie immunologische Funktionen. In der vorliegenden Untersuchung gehen die Autoren der Frage nach, ob Hypothermie die Wundinfektionsrate und damit die Krankenhausverweildauer erhöht. Zweihundert Patienten mit geplanter kolorektaler Operation wurden in zwei Gruppen randomisiert. es wurde eine standardisierte Anästhesie durchgeführt, und den Chirurgen war die Gruppen-Zugehörigkeit des jeweiligen Patienten nicht bekannt. Bei der hypothermen Gruppe wurde die Körperkerntemperatur intraoperativ auf durchschnittlich 34,7 +/- 0,6 Grad Celsius gehalten, während die Körperkerntemperatur der normothermen Gruppe 36,6 +/- 0,5 Grad Celsius betrug.
Postoperativ wurde in der hypothermen Gruppe bei 18 von 96 Patienten (19 Prozent) eine Wundinfektion beobachtet. In der normothermen Gruppe hingegen konnte eine Infektion lediglich bei 6 von 104 Patienten (6 Prozent) nachgewiesen werden. Der Heilungsverlauf war in der hypothermen Gruppe verzögert, so daß die Nähte erst einen Tag später entfernt werden konnten. Ferner war die Krankenhausverweildauer dieser Gruppe um durchschnittlich 2,6 Tage (20 Prozent) verlängert. mll


Kurz A et al.: Perioperative normothermia to reduce the incidence of surgical-wound infection and shorten hospitalization. N Engl J Med 1996; 334: 1209–15
Dr. Sessler, Department of Anesthesia, 374 Paranassus Ave., 3rd Fl., University of California, San Francisco, CA 94143-0648, USA

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