ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002Minderheitenvotum zum Gutachten zum Nachantrag zur Gesprächspsychotherapie

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundesärztekammer

Minderheitenvotum zum Gutachten zum Nachantrag zur Gesprächspsychotherapie

Buchkremer, G.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie hat mit nur einer Stimme Mehrheit beschlossen, dass die Gesprächspsychotherapie die Voraussetzungen für die unbeschränkte Zulassung als psychotherapeutisches Heilverfahren erfüllt. Die Minderheit ist nicht der Ansicht, dass dies durch die vorliegende Datenlage begründbar ist, weil es zur Gesprächspsychotherapie keine Wirksamkeitsstudie gibt, die den heutigen wissenschaftlichen Mindeststandards entspricht.
Nachdem der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie zunächst eine Anerkennung nicht ausgesprochen hat, ist die nunmehrige positive Entscheidung nicht dadurch zustande gekommen, dass neue klinische oder empirische Befunde vorgelegt worden wären, sondern dadurch, dass durch Veränderung der Zuordnung von Studien aus einem Indikationsbereich in den anderen schließlich die formalen Mindestkriterien notdürftig erfüllt wurden. Ein nach den Statuten vorgesehenes Gesamtvotum, das diese Veränderung einbezieht, wurde nicht erbeten. Dieses sehr formal an der Geschäftsordnung und nicht inhaltlich orientierte Vorgehen war nicht nur durch wissenschaftliche Intentionen motiviert.

Tübingen, den 30. 9. 2002

Prof. Dr. G. Buchkremer
Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Tübingen
Anzeige

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote