ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1996Asbestbedingte Berufskrankheiten

MEDIZIN: Diskussion

Asbestbedingte Berufskrankheiten

Wiebe, V.; Weber, A.

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Hans Jürgen Raithel et al. in Heft 11/1996
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LNSLNSLNSLNS Anmerkungen wichtig
Nach radiologischer Erfahrung mit der Untersuchung von weit über tausend Asbestexponierten scheinen uns folgende Anmerkungen wichtig:
« Es muß nachdrücklich unterstrichen werden, daß minimale Lungenveränderungen, wie man sie dorsobasal subpleural mit und ohne Expositionsanamnese finden kann, das Vorliegen einer Asbestose nicht beweisen. Die Veränderungen sind daher gutachterlich nicht verwertbar. Die Frage ist heute nicht mehr: Ab wann sind Asbestfibrosen der Lunge röntgenologisch feststellbar?, sondern: Bis wohin sind computertomographisch nachweisbare Lungenveränderungen noch als radiologisches Korrelat einer Asbestose zu betrachten?
Die pleuralen Manifestationen der Asbestexposition sind keineswegs alle von gleicher Bedeutung. Verkalkte und unverkalkte Pleuraplaques sind radiologisch typische und heute häufige asbestassoziierte Herde der Pleura parietalis, wie wir letzthin erneut anhand einer pathologisch-anatomischen und radiologischen Vergleichsstudie zeigen konnten. Pathognomonisch sind aber auch Zwerchfellverkalkungen nicht: Tuberkulöse, unspezifisch-entzündliche oder posttraumatische Pleuraläsionen können asbestassoziierten Plaques völlig gleichen. Einseitige Plaques kommen bei einem Prozent der Plaqueträger vor.
­ Asbestpleuritiden und konsekutive Ergußverschwartungen kommen mit 14 Prozent der Pleuraveränderungen seltener vor als Plaques, wobei die Bezeichnung "hyalinosis complicata" irreführend ist: Asbestpleuritiden sind keineswegs immer mit Plaques vergesellschaftet. Pleuropulmonale Stränge ("Krähenfüße") sind Wahrzeichen der Ergußverschwartung – sie sind daher eigentlich nicht als primäre Lungenherde zu betrachten. Asbestpleuritiden können durchaus restriktive Ventilationsstörungen hinterlassen.
® Die sogenannte diffuse Pleuraverbreiterung ist nicht einheitlich definiert. Nach langjähriger pathologischanatomischer und radiologischer Erfahrung kommt ihr nur eine untergeordnete Bedeutung zu, wenn sie überhaupt als eigenständige Krankheit existiert.
¯ Fortgeschrittene Asbestosen ohne Pleuraplaques oder Ergußverschwartungen sind häufig.


Dr. med. V. Wiebe, Direktor
Dr. med. A. Weber, Oberarzt
Institut für Radiologie und Nuklearmedizin
Berufsgenossenschaftliche Klinik "Bergmannsheil", Universitätsklinik
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum

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