ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002rund ums Geld: Geht ABB Pleite?

VARIA: Schlusspunkt

rund ums Geld: Geht ABB Pleite?

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): [68]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Der schwedisch/schweizerische Konzern ABB ist nun wirklich keine kleine Klitsche. Im Gegenteil – das Unternehmen spielt als global agierende Industrieadresse eine führende Rolle – am 22. Oktober jedoch in einem ziemlich unangenehmen Sinne. In nur einer einzigen Börsensitzung stürzte der Kurs um 60 Prozent auf 2,07 Schweizer Franken ab. Damit verlor die ABB-Notierung in nur einem Jahr neun Zehntel ihres Wertes. Was ist da bloß los?
Jürgen Dormann, den viele noch aus seinen Zeiten bei Aventis/Höchst kennen, ist als neuer ABB-Chef erst vor wenigen Wochen angetreten, den Technologiekonzern endlich zu sanieren. Noch im September verkündete der Mann frohgemut, dass die Ertragsziele nicht reduziert werden müssten, alles sei im Plan. Einen Monat später musste der ABB-Boss eingestehen, er habe den Mund wohl zu voll genommen und Prognosen für das laufende Jahr seien eh zu ungewiss. So einen Hickhack bestrafen die Börsianer in den unsicheren Zeiten wie diesen gnadenlos.
Dazu kommt noch, dass ABB über ein bedenklich mickriges Eigenkapital verfügt. Gerüchte über Liquiditätsprobleme verstummen nicht. Ein weiteres gravierendes Problem sehen Experten in erheblichen Risiken aus anstehenden Asbest-Klagen, die leicht mehrere Milliarden Dollar ausmachen können. Ein wirklich teuflisches Gemisch aus katastrophalen Nachrichten sucht also den Technologiekonzern heim.
Wer keine ABB-Aktien hat, mag jetzt vielleicht denken, dass ihn das alles nichts anginge. Kann sein, muss aber nicht. Haben Sie schon in Ihrem Depot nachgesehen, ob Sie vielleicht nicht auch Anleihen dieses gefährdeten Unternehmens im Bestand haben?
Wenn ja, haben Sie nichts zu lachen. Wenigstens für den Moment nicht. Die Kurse der ABB-Unternehmensanleihen befinden sich ebenso im freien Fall wie die Aktie selbst. Die von ABB emittierten Rentenwerte sind in vielen Fällen fast nur noch die Hälfte wert. Beispielsweise notierte der im Jahre 2009 fällige 9-Prozent-Eurobond zum Redaktionsschluss bei 44 Prozent. Die großen Rating-Agenturen (Moody’s, Standard & Poors) haben ABB-Anleihen in ihrer Bonitätsbewertung ziemlich runtergestuft; bis zur Junkbond-Klassifizierung fehlt nicht mehr viel.
Keine ABB-Aktien, keine ABB-Anleihen? Prima, dann ist ja keine aktuelle Not im Portfolio. Aber an der Stelle sei doch der wichtige Hinweis auf das generelle Risiko bei Unternehmensanleihen angebracht. Das Beispiel ABB jetzt und genügend aus der Vergangenheit (Fokker etwa) mag manchen vorsichtigen Anleger veranlassen, sich in Zukunft auf Staatsanleihen zu beschränken. Gut so!
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