ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2002Pflegeversicherung: Kassen zahlen auch die Verhinderungspflege

Versicherungen

Pflegeversicherung: Kassen zahlen auch die Verhinderungspflege

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): [67]

Büser, Wolfgang

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Die Pflegeversicherung zahlt für eine bis zu vierwöchige Verhinderungspflege im Jahr. Foto: epd-Bild
Die Pflegeversicherung zahlt für eine bis zu vierwöchige Verhinderungspflege im Jahr. Foto: epd-Bild
Wenn die Pflegekraft ausfällt, können bis zu
1 432 Euro für die Vertretung beantragt werden.

Ein Pflegebedürftiger kann 205 bis 665 Euro Pflegegeld im Monat beziehen, wenn er von Angehörigen oder anderen ehrenamtlich tätigen Pflegekräften betreut wird. Fällt die Pflegeperson aus, etwa wegen Urlaub oder Krankheit, so kann eine Ersatzkraft verpflichtet werden. Dafür gibt es dann bis zu 1 432 Euro innerhalb von vier Wochen – allerdings nur einmal im Jahr. Dafür ist es unbedeutend, welche Pflegestufe für den Pflegebedürftigen gilt. Zur Verdeutlichung: Auch wenn eine Frau lediglich 205 Euro an monatlichem Pflegegeld bezieht, weil sie der Pflegestufe I angehört, zahlen die Pflegekassen für die „Verhinderungspflege“ bis zu 1 432 Euro. Grundsätzlich steht dem Versicherungsnehmer zwar nur der Betrag zu, der bei Pflege durch die übliche Pflegekraft gezahlt wurde (205 Euro bis 665 Euro, je nach Pflegestufe). Zusätzlich können aber von der Vertretung noch Fahrkosten und Verdienstausfall geltend gemacht werden.
Beispiel 1: Ein Pflegebedürftiger der Stufe I wird nach dem Ausfall seiner Pflegeperson (etwa der Ehefrau) von seiner Tochter für 21 Tage gepflegt. Sie hat dafür unbezahlten Urlaub genommen. Ihr Verdienstausfall beträgt 1 220 Euro. Außerdem hat sie für die Betreuung ihres Vaters Fahraufwendungen in Höhe von 60 Euro. So wird gerechnet: Pro Tag stehen dem Pflegebedürftigen 1/28 des 205 Euro betragenden Pflegegeldes zu, also 7,32 Euro. Für 21 Pflegetage ergibt dies 153,72 Euro. Hinzu kommen der Verdienstausfall (1 220 Euro) und die Fahrkosten (60 Euro). Gesamtanspruch: 1 433,72 Euro. Maximal zahlt die Pflegekasse 1 432 Euro für eine bis zu vierwöchige Verhinderungspflege im Jahr.
Beispiel 2: Ein Pflegebedürftiger der Pflegestufe III wird von einem Neffen fünf Tage lang ersatzweise gepflegt, weil seine Tochter, die ihn ansonsten betreut, krank geworden ist. Der Neffe weist 21 Euro Fahrkosten nach; Verdienstausfall hat er nicht. So wird gerechnet: Pro Tag stehen dem Pflegebedürftigen 1/28 des 665 Euro betragenden Pflegegeldes zu, also 23,75 Euro. Für fünf Pflegetage ergibt das 118,75 Euro. Hinzu kommen die Fahrkosten in Höhe von 21 Euro. Gesamtanspruch: 139,75 Euro. Im laufenden Kalenderjahr besteht demnach noch ein Restanspruch auf Verhinderungspflege für 23 Tage (28 Tage minus 5 Tage) oder 1 292,25 Euro (1 432 minus 139,75 Euro).
Verhinderungspflege kann auch in einer besonderen Einrichtung geleistet werden. So könnte beispielsweise ein pflegebedürftiges Kind für die Dauer des Ausfalls der etatmäßigen Pflegekraft in ei-nem Behindertenkindergarten betreut werden. Oder ein Erwachsener wird für die Dauer der Verhinderung der ehrenamtlichen Pflegekraft in einer Krankenwohnung gepflegt. Die Pflegekassen zahlen in solchen Fällen ebenfalls bis zu 1 432 Euro (für maximal 4 Wochen) für die pflegebedingten Aufwendungen in der Einrichtung.
Anrecht auf Ersatzpflege besteht allerdings nur, wenn die pflegebedürftige Person vorher mindestens zwölf Monate im häuslichen Bereich gepflegt worden ist. Wolfgang Büser
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