ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2002Prävention: Gesundheit im Betrieb fördern

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Prävention: Gesundheit im Betrieb fördern

PP 1, Ausgabe November 2002, Seite 484

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Mobbing-Beratungsstellen sind noch eher selten. Foto: dpa
Mobbing-Beratungsstellen sind noch eher selten. Foto: dpa
Das Wohlbefinden von Arbeitnehmern wird vernachlässigt.
Betriebliche Gesundheitspolitik muss aktiver betrieben werden. Das hat eine Expertenkommission von Bertelsmann Stiftung und Hans-Böckler-Stiftung gefordert. Sie präsentierte in Berlin einen Zwischenbericht zum Projekt „Die Zukunft einer zeitgemäßen betrieblichen Gesundheitspolitik“.
Die Kommission geht davon aus, dass im 21. Jahrhundert traditionelle Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle eine geringere Bedeutung haben werden. Dafür müsse man sich mehr den psychischen und sozialen Risiken sowie den Gesundheitspotenzialen der Arbeitswelt widmen. Nach Ansicht des Wissenschaftlichen Leiters der Kommission, Prof. Dr. Bernhard Badura, werden Beschäftigte zunehmend durch eine Intensivierung der Arbeit gefordert. Umstrukturierungen seien an der Tagesordnung, der Druck durch monetäre Zielvorgaben steige. „Soziale und psychische Gefährdungen wie Mobbing, Hilflosigkeit und Burnout werden in den Betrieben noch viel zu selten systematisch beobachtet, verhindert oder beseitigt“, konstatieren die Fachleute.
Viele Arbeitnehmer halten dem Druck nicht stand und erkranken. Fallen sie aus, kommt das teuer: Durch Fehlzeiten entstehen nach Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Ausfälle von 35 Milliarden Euro pro Jahr. Auch die Sozialversicherungssysteme sind betroffen. „Die Rationalisierungswellen der zurückliegenden Jahre haben in einem kaum mehr vertretbaren Umfang zur Überwälzung betriebswirtschaftlicher Kosten auf die Sozialversicherung beigetragen“, heißt es im Bericht.
„Hochrisikobereiche“ für Gesundheit und Wohlbefinden sind zurzeit die Bau- und Metallindustrie, Schulen, das Verkehrswesen, die Telekommunikation sowie das Sozial- und Gesundheitswesen. Um die Situation zu verbessern, müssten sich nach Auffassung der Experten alle Betriebsparteien an firmenspezifischen Lösungen beteiligen. Hier sei noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Zudem müssten Berufsgenossenschaften, Krankenkassen, Rentenversicherer und andere Akteure ihre Aufgaben und ihr Selbstverständnis überdenken.
Der Kommission zufolge gibt es durchaus vorbildliche betriebliche Gesundheitspolitik. Es mangele jedoch an vernetzten Strukturen.
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