ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2002Gutachterverfahren: Bärendienst für die Psychotherapie

BRIEFE

Gutachterverfahren: Bärendienst für die Psychotherapie

PP 1, Ausgabe November 2002, Seite 498

Brudy, Gustav J.

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. . . Als Alternativen werden genannt: Bildung regionaler Qualitätszirkel, Evaluation durch die Patienten nach Behandlungsabschluss (Dr. Bublitz, PP, 2002, Heft 5), persönliche Begutachtung der Patienten (Dr. Bämayr). Gerade diese vermeintlichen Alternativen beinhalten und dokumentieren die Bereitschaft zur Selbstdepotenzierung: Zweifel an der Fähigkeit zur Einschätzung unserer eigenen und eigenverantwortlich erbrachten Arbeit, Abgabe der Verantwortung. Und sie werfen neue Fragen auf: Wer entscheidet in diesen regionalen Qualitätszirkeln? Sind wir oder die Patienten die Fachleute für unsere Arbeit? Wer sollen diese „persönlichen Gutachter“ sein und wer bestimmt diese nach welchen Kriterien? Erst-, Umwandlungs- und Fortführungsberichte sind Arbeit und Belastung – und miserabel bezahlt dazu! Der Bericht ist eine Möglichkeit zur Selbstreflexion, und das Gutachten ist eine Möglichkeit für Feedback an mich als verantwortlichen Psychotherapeuten. Unverschämtheiten seitens einzelner Gutachter, die mir auch schon widerfahren sind, gilt es mutig zurückzuweisen und zu dokumentieren. Das Gutachterverfahren ist das einzige Instrument, dass eine relativ kontinuierliche Qualität psychotherapeutischer Arbeit gewährleistet und sicherstellt. Was gibt es Vergleichbares für den Bereich stationärer Psychotherapie und Psychosomatik? Was gibt es Vergleichbares in der Organmedizin? Das Gutachterverfahren ist – auf der Grundlage der BSG-Urteile vom 25. 8. 1999 – das einzige Instrument, das unser Einkommen als Psychologische Psychotherapeuten relativ absichert!
Die Verlautbarungen der Dres. Bublitz und Bämayr gegen das Gutachterverfahren bestätigen die zahl- und einflussreichen Unwissenden in ihren Vorurteilen gegenüber der Psychotherapie. Sie mindern außerdem den Druck auf KBV, KVen, Krankenkassen und BMG zur substanziellen Umsetzung der BSG-Urteile und des § 85 Abs. 4 SGB V und erweisen dadurch der Psychotherapie insgesamt einen Bärendienst.
Gustav J. Brudy, Dipl.-Psych., Rheinstrasse 44, 64589 Stockstadt
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