ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1996Toba-See: Der Nabel Nord-Sumatras

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Toba-See: Der Nabel Nord-Sumatras

Schuh, Lisa

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LNSLNS Sonnenkringel fallen durch das Blätterdach des gigantischen Luftwurzelbaumes, direkt auf die kleine Plastik einer Frau. Es war die Lieblingsfrau des ersten Herrschers der Toba-Batak, Rajah Sitabutar. Er liebte sie so sehr, daß er sie sich sogar auf den Sarkophagdeckel setzen ließ. Daneben liegen schon die ersten christlichen Gräber, denn seit 1902 wurden die fünf Stämme der Batak von der Rheinischen Missionsgemeinschaft aus Wuppertal zu fast achtzig Prozent christianisiert. Trotzdem halten die Menschen die Tondi, die Seelen der Ahnen, immer noch hoch in Ehren. Ihre Kraft – das glauben viele noch heute – stärkt die Seelen ihrer Nachfahren gegen Unbill und Krankheit. Wenig später, in Ambaritsa, erfahren wir von Tuan (Herrn) Saragi, unserem Guide, warum auf den MegalithTischen hinter dem Versammlungsort mancher Kopf rollte – der letzte anno 1860. Ein junger Mann stammte aus dem Nachbardorf. Er hatte die Unglücksidee, sich in die Tochter des Häuptlings zu verlieben, was ihm gar nicht gut bekam. Sein Kopf wurde unter der Leiter des Hauses begraben, um die bösen Geister zu verscheuchen. Das Fleisch wurde gegessen. Damit, so glaubte man, geriet die Seele doppelt stark und das eigene Leben entsprechend länger. Es ist sehr bequem, sich zur Insel Samosir mit einem Ausflugsboot auf den Weg zu machen, um die alten Kultstätten ohne Streß aufzusuchen. In Simanindo wohnte der letzte Rajah der Toba-Batak bis 1945. Dann wurde aus dem prächtigen Häuptlingshaus ein Museum, der große Hof wurde für Tanz und Folk-loreVorstellungen genutzt. Die meisten Wege auf dem Eiland sind von Fahrzeugen so wenig frequentiert, daß es Spaß macht, auch einmal ein Stück auf der Insel Samosir zu wandern. Nach Tomok, wo die Rajah-Gräber liegen, ist es von Tuk Tuk aus – dort gibt es die meisten Hotels – gut eine Stunde. Unsere hübsche Bungalowanlage hieß Toledo Inn. Hier lohnt es, Badezeug mitzubringen, denn überall sind gemütliche Einstiege in einen tadellos sauberen See. Mrs. Tobing, die Besitzerin, managt mit ihren 73 Jahren ihr Hotel immer noch allein. Zum Abschied schenkte sie mir einen alten 1 000-Rupiah-Schein mit dem Konterfei ihres Großvaters Sisingamangaraja XII: er war der letzte Rajah der Toba-Batak.
Die Küchenjungen von Madame Tobing haben sich zu einer talentierten Batak-Folklore-Sängergruppe hochgearbeitet. Einmal in der Woche dürfen sie im Nightclub des Hotels auftreten und batakisch jodeln, was das Zeug hält. An ihren freien Abenden treffen sie sich in einer Kneipe für Einheimische, wo sich nur selten ein Fremder hineintraut. Denn wer trinkt schon mit Begeisterung den faden Palmwein? Hier jodeln die Küchen-Boys gratis, obwohl sie bereits voller Stolz eine Video-Cassette vermarkten konnten.


Ideales Klima für Europäer
Schon der Weg von Medan bis zum See ist spannend: In Berastagi, das zwischen zwei Vulkankegeln auf knapp 1 000 Metern liegt, wird übernachtet. Das Klima des Luftkurortes ist ideal für Europäer zum Akklimatisieren. Beim Sopisopiso-Wasserfall, der donnernd in die Tiefe rauscht, ist der Lake Toba bereits zu sehen. Der Genfer See paßte in den größten See Asiens (1 265 km2) zweimal hinein. Zweitausender, dicht überzogen mit dunkelgrünem Dschungelfrottee wie die Berge der Südsee, schirmen seine Westküste ab. Das Ostufer mit den akkuraten Kakao-, Tee- und Kaffee-Plantagen und seinen Weidewiesen wirkt dagegen lieblich wie das Allgäu. Der Transsumatra High-way, der vom geheimnisvollen Aceh im Norden bis zur Fährstation Bakauheni nach Java 1 800 Kilometer lang ist und die ziemlich unwegsame Urwald-Insel erschließt, sorgt auch am Toba-See für unvergeßliche Panorama-Ausblicke.
Kurz hinter dem See bei Bonjol wird der Äquator überquert. Dort liegt die Grenze zu Westsumatra und dem Reich der alten Minangkabau-Könige. Sie hielten sich übrigens für Nachfahren Alexanders des Großen.
"Sagenhaftes Sumatra" – wie ein Buch, das nur auf einer Reise kaum zu schaffen ist. Ich muß wiederkommen . . . Lisa Schuh, München


Reise-Tips Sumatra


Flug: Frankfurt – Medan (Nordsumatra) ab 1 700 DM (Garuda Indonesia)
Auto: Mit Klimaanlage und Fahrer: 115 DM/Tag
Bus: preiswert; von Medan bis Parapat/Fährstation Toba-See: 40 DM
Bootstouren: Auf dem Toba-See ganztägig ab 40 DM
Hotel: Doppelzimmer auf der Insel Samosir/Toba-See: ab 150 DM

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