ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1996Kfz-Reparaturen: Werkstatt sollte die Preise garantieren

VARIA: Auto und Verkehr

Kfz-Reparaturen: Werkstatt sollte die Preise garantieren

Büser, Wolfgang

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wird die Reparatur eines Fahrzeugs teurer als zunächst von der Werkstatt veranschlagt, so ist das in jedem Fall ärgerlich. Gründe für den höheren Preis sind in der Regel zusätzliche Arbeiten. Fragt sich, ob der Kunde dies auch stets hinnehmen muß. Denn zum einen kann es sich um Zusatzaufwand für die Werkstatt handeln, der gar nicht in Auftrag gegeben war. Zum anderen kann es natürlich sein, daß wider Erwarten ein höherer Aufwand an Material und/oder Arbeitszeit erforderlich wurde. Inwieweit ist die Werkstatt im einen wie dem anderen Fall an ihren Kostenvoranschlag gebunden?
Es versteht sich von selbst, daß "nicht bestellte" Arbeiten nicht bezahlt werden müssen – wenn auch dieser Fall selten vorkommen wird; eine "Begründung" für zusätzliche Arbeiten wird sich (fast) immer finden lassen. Im anderen Fall, also der objektiv notwendigen Erweiterung des Arbeitsauftrags, hat es der Kunde schon schwerer, wenn er nicht mehr als ursprünglich vereinbart bezahlen will.
Dazu gehört zunächst, daß er mit der Werkstatt einen "verbindlichen Kostenvoranschlag" vereinbart, sich also nicht nur auf eine mündliche Zusage zum Beispiel des Werkstattleiters eingelassen hat. Ein solcher verbindlicher Kostenvoranschlag (der Zentralverband des Kfz-Handwerks hat dafür ein Muster erarbeitet) ist für den Händler bindend. Das bedeutet: Wird aufgrund eines solchen Kostenvoranschlags ein Auftrag erteilt, so darf der darin angegebene Preis nur mit Zustimmung des Auftraggebers überschritten werden.
Die Frage, in welchem Umfang die Werkstatt die veranschlagten Kosten ohne vorherige Zustimmung überschreiten darf, kann sich also nur für den "unverbindlichen" Kostenvoranschlag stellen – also beispielsweise für die Angabe, die Reparatur werde "zirka 500 DM" kosten. In diesen Fällen kann der geschätzte Preis um etwa 15 bis 20 Prozent überschritten werden – wenn dafür eine plausible Begründung angegeben wird. Wie so oft im Leben: Welcher Satz im Streitfall vom Richter anerkannt beziehungsweise festgesetzt wird, hängt vom Einzelfall ab.
Die Waffen des Gesetzes gegen eine zum Beispiel 20 Prozent überschreitende Kostenerhöhung erweisen sich in der Praxis allerdings als recht stumpf. Selbst wenn die Werkstatt ihrer Verpflichtung nachkommt, bei einer zu erwartenden Überschreitung des Kostenvoranschlags den Kunden unverzüglich zu informieren, so wird diesem sein gesetzlich verbrieftes Recht im Regelfall nicht viel helfen. Wer möchte schon ein halb repariertes Auto abholen und dafür auch noch die (anteilige) Vergütung bezahlen? Letztlich nutzt das Kündigungsrecht also nur, wenn angesichts der zu erwartenden höheren Kosten von der Reparatur überhaupt abgesehen werden soll.
Informiert die Werkstatt aber nicht über das unerwartete Kostenplus, wird der Kunde also von einer wesentlich höheren Rechnung überrascht, so hat er zwar einen Schadenersatzanspruch. Der setzt jedoch den Nachweis voraus, daß er – rechtzeitig über die Zusatzkosten in Kenntnis gesetzt – anders entschieden hätte. Entscheidend ist eben, daß bei einem unverbindlichen Kostenvoranschlag kein Rechtsanspruch darauf besteht, die in Auftrag gegebenen Reparaturarbeiten auch tatsächlich zum veranschlagten Preis (zuzüglich 15 bis 20 Prozent Überschreitung) ausgeführt zu erhalten.
Fazit: Nur ein "verbindlicher" Kostenvoranschlag, bei dem die Werkstatt die Preisansätze garantiert, schützt vor Überraschungen. Überschreitungen eines "unverbindlichen" Voranschlags wird man hingegen im Regelfall hinnehmen müssen. Wolfgang Büser
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote