ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2002Kommunikation: Situation verkannt

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Kommunikation: Situation verkannt

Dtsch Arztebl 2002; 99(46): A-3087 / B-2612 / C-2439

Brandenburg, Vincent

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LNSLNS Die kritischen Anmerkungen des Leserbriefes dürfen nicht unkommentiert bleiben, auch wenn ich als angehender Internist vom US-amerikanischen Kollegen bei seiner Schelte über die mangelhafte Kontaktfreudigkeit deutscher Chirurgen nicht direkt angesprochen worden bin. Wie sehr hat er Recht mit seiner Kritik! Wie sehr verkennt er aber die wahren Gründe. Aus meiner viermonatigen Zeit in einer chirurgischen Abteilung eines kanadischen Universitätsklinikums weiß ich noch allzu gut, wie sehr ich die dortigen Kollegen beneidet habe, den ganzen Arbeitstag über Arzt im eigentlichen Sinne des Wortes sein zu dürfen. Der Tagesplan bestand in einer wundervollen Aneinanderreihung von Visiten, Besprechungen, Fortbildungen, Gesprächen und natürlich Operationen. Wie das? Nun, den Kollegen waren hoch motivierte und gut ausgebildete „Paramediziner“ zur Seite gestellt. Hier als Stichwort das „i.v.-Team“, das sämtliche Blut-
entnahmen und Braunülenlegen etc. auf ärztliche Anweisung regelte. Wie sehr er die deutsche Krankenhaussituation verkennt, spiegelt sich in dem Satz wider, Chirurgen sollten Personal beauftragen, den Angehörigen über den Fortgang einer Operation zwischenzeitlich zu berichten. Welches Personal? Ich darf aus meiner Erfahrung sagen, dass deutsche Krankenhausärzte nur bedingt das sind, was ihre Berufsbezeichnung verspricht. Ein Großteil der täglichen Arbeitszeit wird von gänzlich unärztlichen Tätigkeiten verbraucht, und adäquates Zuarbeiten erfahren nur die wenigsten. Wie gerne würde ich mich auf Station um 18 Uhr nach einem erfüllenden Arbeitstag (mit ausführlicher Visite inklusive kritischer Befunddiskussion in großer Runde, nach Fort- und Weiterbildungen und nach eingehenden Patientengesprächen) nicht der Erledigung der unseligen Zettelwirtschaft, sondern den Angehörigen der Patienten widmen. Ich stimme dem Kollegen zu, dass im Rahmen einer marktwirtschaftlichen und insbesondere kundenorientierten Ausrichtung (Stichwort Service!) einer Krankenhausführung der deutsche Zustand nicht haltbar sein wird.
Dr. med. Vincent Brandenburg, Markt 41 a, 52134 Herzogenrath
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