ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1996Computer-Checksystem: Hilfestellung bei Lebererkrankungen

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Computer-Checksystem: Hilfestellung bei Lebererkrankungen

Kelm-Kahl, Inge

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LNSLNS Geläufige Lebererkrankungen werden in 75 bis 80 Prozent der Fälle sicher erkannt. Die restlichen Fälle bereiten differentialdiagnostische Schwierigkeiten. Nach früheren Untersuchungen von Malchow-Möller sowie Boom erwiesen sich von 107 diagnostischen Verfahren nur 22 als relevant. Je mehr Symptome in den Entscheidungsprozeß einbezogen werden, um so flacher wird generell die Kurve des Informationsgewinns, und um so steiler steigen die Kosten der Untersuchung an – eine Rechnung, die Begrenzung auf das Relevante gebietet.
Zudem beziehen sich die Normbereiche der Laborwerte auf nur etwa 95 Prozent der gesunden Menschen. Innerhalb der Abweichquote von fünf Prozent können sich daher falsch positive Befunde verbergen. Unter diesen Voraussetzungen wundert es nicht, daß Ärzte in diesen älteren Studien im Vergleich zu Computern eine ähnliche Treffsicherheit bezüglich Dia-gnosen haben: 76 versus 77 Prozent. Dabei variierte die diagnostische Sicherheit zwischen Experten (91 Prozent) und Ausbildungsärzten (78 Prozent) erheblich.
Die computergesteuerten Diagnosen hatten andere Schwachstellen. Es mangelte an zuverlässigen symptombezogenen klinischen Matrizes, wodurch häufig eine Pseudogenauigkeit vorgetäuscht wird. Diese Schwierigkeiten versucht das "Checksystem Leber" (Merz & Co) als diagnostische Hilfe für den Arzt in der Praxis zu überwinden. Es operiert auf der Basis:
1. Speicherung krankheitstypischer Befunde,
2. Eingabe der erhobenen Befunde,
3. Vergleich der Symptome mit den Matrizes zu den einzelnen Krankheitsbildern,
4. Angabe des Diagnosewerts mit dem höchsten Wahrscheinlichkeitswert.


Suchprogramm
Der erste Schritt des Programms "Checksystem Leber" enthält ein Suchprogramm, das mit fast 100prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen Leberkrankheit und Krankheiten, die von anderen Organen ausgehen, unterscheidet. Dadurch wird in der Folge Überdiagnostik vermieden. In einem zweiten Schritt, der Basisdiagnostik, werden Schlüsselsymptome abgefragt. Aus der markierten Symptomatologie errechnet der Computer drei Verdachtsdiagnosen, zum Beispiel "akute Hepatitis", "Verschlußikterus" oder "alkoholische Lebererkrankung", die je nach Wahrscheinlichkeit unterschiedlich mit Punkten gewichtet sind.
Diese Verdachtsdiagnosen können anhand einer "speziellen Diagnostik", etwa den Befunden von Labor, Endoskopie, Ultraschall oder Biopsie, verifiziert werden. In einzelnen Diagnoseschritten können Zusatzinformationen, etwa zur Ätiologie, abgerufen werden. Ergänzt wird die Software durch eine ICD-10Liste, Muster von Patientenbriefen und -informationen zu verschiedenen Lebererkrankungen und die Abrufmöglichkeit von Fachliteratur.
Ziel der EDV-gestützten Leberdiagnose ist es, sozialmedizinisch relevante Lebererkrankungen, wie die alkoholische Fettleber, in einem reversiblen Stadium zu diagnostizieren. Die immensen Kosten für stationäre Therapie, Endoskopien, Operationen (Shunts oder gar Transplantationen), Arbeitsausfall, Rehabilitation und Frühberentung könnten durch frühzeitige Diagnose und Therapie drastisch gesenkt werden.
Dr med. Inge Kelm-Kahl

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