ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2002Gesundheitliche Aspekte niederfrequenter Felder der Stromversorgung: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Gesundheitliche Aspekte niederfrequenter Felder der Stromversorgung: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2002; 99(46): A-3115 / B-2625 / C-2332

Bernhardt, Jürgen Helmut

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LNSLNS Die Befunde über gentoxische Wirkungen bei der Exposition von Zellen mit niederfrequenten Magnetfeldern, auf die Prof. Adlkofer et al. hinweisen, müssen weiter abgeklärt werden. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass Befunde auf In-vitro-Ebene sich häufig nicht mehr auf tierexperimenteller Ebene zeigen. Dies erschwert die Bewertung der Bedeutung von In-vitro-Befunden für die Gesundheit des Menschen. Wichtig sind daher nicht nur die Aufklärung der Mechanismen, sondern auch geeignete weiterführende Versuche auf tierexperimenteller Ebene.
Im Abschnitt über Vorsorgegesichtspunkte ist tatsächlich ein Druckfehler übersehen worden, auf den Herr Schwanitz dankenswerterweise hingewiesen hat: es muss 10 µT beziehungsweise 100 µT und nicht mT heißen.
Im Rahmen des Beitrags wurden Fragen nach der Wirksamkeit der Magnetfeldtherapie, insbesondere bei Anwendung pulsierender Magnetfeldresonanztherapie oder von statischen Magnetfeldern (Magnetfeldmatten) nicht berücksichtigt.
Biologische Wirkungen statischer Magnetfelder sind gut untersucht. In den letzten Jahren ist die Forschung intensiviert worden, und zwar in Hinblick auf die diagnostischen Verfahren der magnetischen Resonanz (Kernspintomographie), bei denen statische Magnetfelder von mehr als 1 Tesla (etwa das 10- bis 20Fache der Magnetfelder an der Oberfläche von Magnetfeldmatten) sowie zeitlich veränderliche Magnetfelder in der Größenordnung einiger mT (zeitliche Änderung bis 20 T/s) und Hochfrequenzfelder verwendet wurden (1). Von einer therapeutischen Wirksamkeit dieser starken Felder wurde bisher nicht berichtet.
Insgesamt muss an der Wirksamkeit statischer Magnetfelder von Magnetfeldmatten gezweifelt werden. Die Wirkungsmechanismen statischer Magnetfelder – Induktion, elektronische Wechselwirkungen und elektrohydrodynamische Wirkungen – lassen eine Wirksamkeit nicht plausibel erscheinen. Spezielle Sensoren, wie sie zum Teil im Tierreich zu finden sind, kommen beim Menschen nicht vor.
Ebenso besteht erheblicher Zweifel an der Wirksamkeit von Geräten, die Magnetfelder nach Biorhythmus anwenden. Wie zeitlich veränderliche Magnetfelder auf biologische Systeme wirken, ist hinreichend bekannt. Bei Intensitäten unterhalb von etwa 200 µT werden elektrische Felder und Ströme im Körper erzeugt, die sich den körpereigenen Strömen, wie sie von der elektrischen Tätigkeit der Gehirnzellen oder von Muskelzellen wie die des Herzens erzeugt werden, überlagern. Die Entwickler und Vertreiber dieser Art von Magnetfeldfeldtherapiegeräten argumentieren damit, dass bestimmte Frequenzen, wie sie etwa im EEG vorkommen, besonders wirksam sind. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Insbesondere sind die verwendeten Intensitäten viel zu schwach, um nennenswerte elektrische Felder und Ströme im Körper zu erzeugen, die irgendeine Wirksamkeit zeigen können.
Nebenwirkungen der Felder können jedoch auftreten, sind aber kein Beweis für die Wirksamkeit. Infrage kommen Störungen der Funktion aktiver medizinischer Implantate, wie zum Beispiel Herzschrittmacher oder Nervenstimulatoren. Dies muss im Einzelfall geprüft werden.

Literatur
1. Strahlenschutzkommission (SSK): Vermeidung gesundheitlicher Risiken bei Anwendung magnetischer Resonanzverfahren in der medizinischen Diagnostik. Fachgespräch am 3. Mai 2000. München: Urban & Fischer 2001; Berichte der SSK, Heft 28.

Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. habil.
Jürgen Helmut Bernhardt
Neureutherstraße 19
80799 München

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