ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2002Kunst und Psyche: An den Rand gedrängt

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Kunst und Psyche: An den Rand gedrängt

Dtsch Arztebl 2002; 99(46): A-3117 / B-2635 / C-2460

Kraft, Hartmut

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LNSLNS Alte Menschen sind weder ein Thema der überall präsenten Werbung, noch sind sie ein Thema der aktuellen Kunstproduktion. Zu den nennenswerten Ausnahmen gehören die Zeichnungen von Rolf
Escher. Neben seinen Porträts alter Menschen stehen die Darstellungen verlassener Räume, die Stillleben mit ausrangiertem Hausrat sowie vor allem auch zahlreiche Studien in Bibliotheken. Immer wieder treffen wir auf die Spuren gelebten Lebens.
Der Blick der alten Dame auf der Zeichnung scheint durch den Betrachter hindurchzugehen. In ihrem Bademantel und mit gefalteten Händen sitzt sie vor einer Wand. Der Stuhl neben ihr ist leer, lediglich ein Tuch liegt auf der Sitzfläche. Ein Partner, zumindest ein Gesprächspartner, fehlt.
Das Zentrum des Bildes wird von der leeren Wand gebildet – ist die leere Wand nur die real leere Fläche, oder ist sie nicht auch die Spiegelung des inneren Zustandes der dargestellten Person? Die Menschen auf Eschers Zeichnungen haben nichts (mehr) zu tun, aber sie scheinen weit entfernt davon, Muße zu haben. Die Menschen existieren in den Zeichnungen wie die Dinge, die sie umgeben. Sie sind ebenso requisitenhaft und funktionslos wie das Tuch oder der leere Stuhl. Die Menschen sind an den Rand der Bilder gedrängt – an den Rand des Lebens.
Bilder, die mit den Problemen des Alters, der drohenden Vereinsamung, oder gar mit dem Tod konfrontieren, können kaum auf eine breite Resonanz hoffen. Sie rühren an Tabus, an das nur zu
gern Verdrängte und Verleugnete in unserer Gesellschaft. In ihrer unaufdringlichen und doch beeindruckenden Darstellungsweise vermögen die Zeichnungen von Rolf Escher den Betrachter zu irritieren. Hartmut Kraft
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