ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2002Lebensversicherungen: Optimieren statt kündigen

VARIA: Wirtschaft

Lebensversicherungen: Optimieren statt kündigen

Dtsch Arztebl 2002; 99(46): A-3127

Jobst, Peter

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LNSLNS Jeder Zweite der knapp 89 Millionen Lebensversicherungsverträge wird nicht bis zum Ende beibehalten.

Die Lebensversicherung ist in die Diskussion geraten. Der Kurssturz an den Aktienmärkten lässt die Überschüsse der Versicherungsgesellschaften schwinden – und damit auch die Hoffnung auf eine angemessene Rendite der bestehenden Verträge. Von einer Kündigung ist jedoch meist abzuraten. Denn selbst wenn ein Vertrag schon einige Jahre besteht, kann der Versicherte kaum eine hohe Rückzahlung erwarten. Bedingt durch hohe Abschlusskosten und erhebliche Aufwendungen für die Risikoabsicherung, liegt der Rückkaufswert in den ersten zehn Jahren meist unter der Summe der gezahlten Prämien. Zudem wird der Ertrag dadurch vermindert, dass die Versicherung bei Nichteinhalten der zwölfjährigen Mindestlaufzeit eine Kapitalertragsteuer von 25 Prozent einbehalten und an das Finanzamt abführen muss.
Es gibt jedoch Alternativen. So ermäßigt sich der Beitrag oftmals bereits, wenn statt der monatlichen die jährliche Zahlungsweise gewählt wird. Einzelne Gesellschaften bieten einen kleinen Rabatt, wenn der Beitrag per Lastschrift eingezogen wird. Ohne Verlust des Risikoschutzes besteht bei den vielen Vertragsarten auch die Möglichkeit, die gutgeschriebenen Gewinnanteile statt zur Erhöhung der Versicherungssumme zur Ermäßigung der Beiträge zu verwenden. Die Auszahlungssumme bei Fälligkeit wird dabei aufgrund des geringeren Zinseszinseffekts allerdings merklich niedriger ausfallen.
Ermäßigen kann die Beiträge auch, wer bei einer dynamischen Police auf die alljährliche Anhebung von Versicherungssumme und Beitrag verzichtet. Diese Dynamik bringt bei der Rendite ohnehin kaum Vorteile: Da die Erhöhungssumme jeweils wie ein Neuabschluss behandelt wird – also mit hohen Anlaufkosten belastet ist – liegt die Verzinsung deutlich niedriger als bei herkömmlichen Policen. Ein Pluspunkt ist lediglich, dass die Erhöhung im Rahmen der Dynamik ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich wird. Auch eine Beitragsfreistellung kann sich als interessante Alternative erweisen. Hier wird die Versicherungssumme auf die Höhe des Rückkaufswertes herabgesetzt, weitere Beiträge brauchen nicht mehr bezahlt zu werden. Gewinnanteile gehen jedoch nicht verloren.
Neben der Beitragsfreistellung ist auch eine Laufzeitverkürzung möglich und oft sogar günstiger. Hierbei wird unter Berücksichtigung der bezahlten und noch zu zahlenden Beiträge die Versicherungssumme des Vertrages herabgesetzt und die Restlaufzeit verkürzt, wobei dies dann noch mit einer Beitragsfreistellung kombiniert werden kann. Steuerliche Nachteile entstehen in diesem Fall nur dann, wenn die Restlaufzeit der Police unter zwölf Jahren liegt. Andererseits erhalten Versicherte bei der Laufzeitverkürzung den vollen Schlussgewinnanteil, der den Verlust durch die Herabsetzung der Versicherungssumme aufwiegen wird. Auch über die Möglichkeiten einer Laufzeitverkürzung kann die Gesellschaft Auskunft geben. Umgekehrt kann eine Beitragsermäßigung durch die Verlängerung der Laufzeit erreicht werden. Hierbei sollte man allerdings im Einzelfall vergleichen, ob der Minderbeitrag aufgrund der längeren Laufzeit den Nachteil des höheren Beitrags aufgrund des größeren Todesfallrisikos bei längerer Laufzeit aufwiegt.
Im Fall eines vorübergehenden Finanzengpasses – aber auch wenn der Höchstbetrag der Vorsorgeaufwendungen für das laufende Jahr bereits ausgeschöpft ist, im kommenden Jahr jedoch wieder „Platz“ ist – kann man die Beiträge stunden lassen. Möglich ist dies in der Regel für maximal sechs bis zwölf Monate; verlangt werden marktübliche Zinsen für das „Darlehen“. Gestundete Beträge können bei Zustimmung durch die Gesellschaft aber auch mit der späteren Auszahlungssumme verrechnet werden. Besonders interessant ist daneben das so genannte Policendarlehen, das bis zur Höhe des Rückkaufwertes des Vertrags gewährt wird. Hier liegt die Verzinsung meist recht günstig, die Stellung von Sicherheiten entfällt. Zurückgezahlt wird das Policendarlehen spätestens mit Fälligkeit des Vertrages.
Bei gleich bleibendem Versicherungsschutz kann die Versicherung auch teilweise oder ganz ruhend gestellt werden. Üblich ist hierzu die Umstellung von Kapitalversicherung auf Risiko-Police. Der Kunde zahlt für den vollen Versicherungsschutz vorübergehend – meist für ein bis zwei Jahre – lediglich den wesentlich niedrigeren Risikobeitrag und erst später die Differenz zum vereinbarten Beitrag. Verlangt werden hierfür die bei Stundung üblichen Zinsen. Anstelle der Nachentrichtung ist aber auch eine Beginnverschiebung möglich. Eine Verschiebung von Vertragsbeginn und Fälligkeitstermin wird auch bei völligem Ruhen des Vertrags vorgenommen, bei dem die ausgesetzten Beiträge nicht nachentrichtet werden müssen, die Versicherungssumme während der Ruhezeit jedoch auf den Rückkaufswert herabgesetzt wird.
Hierzulande noch relativ neu ist eine Kündigungsalternative, die in Großbritannien bereits marktüblich ist: der Verkauf der Police an darauf spezialisierte Unternehmen wie etwa die Münchener cash.life. AG, eine Tochtergesellschaft der börsennotierten adv.orga Beteiligungen AG. Dieses Unternehmen kauft unter bestimmten Bedingungen bestehende Lebensversicherungsverträge an – zu einem Preis, der zwischen fünf Prozent und 15 Prozent über den Rückkaufswerten der Gesellschaften liegt. Ein weiterer Vorteil: Kapitalertragsteuer wird auch dann nicht fällig, wenn der Vertrag in den ersten zwölf Jahren nach Abschluss beziehungsweise nach einer bedeutenden Änderung abgegeben wird. !
Allerdings kauft cash.life nicht alle angebotenen Verträge an. Die Police darf nur noch maximal 15 Jahre laufen. Zudem muss der Rückkaufswert mindestens 15 000 Euro betragen. Auch übernimmt das Unternehmen nur Policen von Gesellschaften, die ihre Prognosen hinsichtlich der Ablaufleistung in der Vergangenheit auch erfüllt haben. Hierzu arbeitet cash.- life mit einem internen Rating-System, das die Versicherungsunternehmen in vier Klassen einteilt. Je günstiger die Bewertung, umso wahrscheinlicher ist zum einen die Übernahme der Police durch cash.life, umso höher ist zum anderen aber auch die zu erwartende Zahlung.
Wird ein Vertrag übernommen, steigt das Unternehmen in alle Rechte und Pflichten des bisherigen Inhabers ein, das heißt, der Käufer zahlt die Prämien weiter und nimmt nach Vertragsende die Ablaufleistung entgegen. Lediglich bestehende Zusatzversicherungen – etwa eine Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung – werden bei der Übernahme gekündigt, zehren solche Vertragskomponenten doch in erheblichem Umfang an der Rendite.
Interessant ist der Verkauf durchaus, wie eine Musterrechnung von cash.life belegt: Wird eine 1991 abgeschlossene Police über 200 000 DM (102 258 Euro) Versicherungssumme gekündigt, erhält der Versicherte einen Rückkaufswert von 70 761 Euro, der zudem um Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag – zusammen 26,38 Prozent – auf 64 211 Euro reduziert wird. Verkauft er den Vertrag indes an cash.life, werden ihm mit 73 856 Euro immerhin fast 10 000 Euro mehr ausgezahlt.
Ein Konkurrent der cash.- life AG ist die barwert Policenbörse. Während die cash.life AG jedoch bereits seit einigen Jahren relativ erfolgreich am Markt tätig ist, ist barwert ein junger Anbieter, der sich erst noch einen guten Ruf erarbeiten muss. Peter Jobst
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