ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2002Finanzplanung: Ganzheitlich planen

VARIA: Wirtschaft

Finanzplanung: Ganzheitlich planen

Brennecke, Dirk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wenn Anlageentscheidungen nicht aufeinander abgestimmt werden, entsteht ein Sammelsurium mit nicht optimaler Rendite.

Eine solide Finanzplanung erfordert eine ganzheitliche Betrachtungsweise, welche die einzelnen Teilbereiche wie Risikoabsicherung, Liquiditätsplanung, Vermögensaufbau, Vermögensstrukturierung, Steueroptimierung und Nachfolgeregelungen berücksichtigt und miteinander vernetzt. Idealtypisch sollte ein Finanzplanungsprozess zwischen dem Anleger und seinem Berater in fünf Schritten ablaufen:
- Kontaktaufnahme. In einem ersten Gespräch wird über den Sinn und Zweck der privaten Finanzplanung gesprochen. Der Mandant erhält einen Informationsbogen, der eine Aufstellung der für die Gutachtenerstellung erforderlichen Unterlagen enthält. In der Regel wird beim Ersttermin nicht über konkrete Produktempfehlungen gesprochen. Andernfalls sollte der Kunde misstrauisch werden und sich fragen, inwieweit die Finanzplanung als ein vorgeschobenes Vehikel zum Produktverkauf dient.
- Datenerfassung. In einem weiteren Termin erfolgt die Datenerfassung anhand eines umfangreichen Datenerfassungsbogens. Die erforderlichen Unterlagen sollte der Mandant im zweiten Termin vollständig zusammengestellt haben. Ferner werden die individuellen Ziele und Wünsche, die Risikoeinstellung und die Renditeerwartung definiert.
- Gutachtenerstellung. Auf Basis der zur Verfügung gestellten Daten erfolgt die Erstellung des Finanzplans. Dieser sollte eine umfassende Analyse der Absicherung beinhalten und gegebenenfalls auf Deckungslücken aufmerksam machen. Neben dem Risikomanagement stehen die Vermögensbilanz und die Liquiditätsplanung im Mittelpunkt. Anhand der Vermögensbilanz kann der Finanzplaner erkennen, ob das Vermögen entsprechend der individuellen Rendite-Risiko-Präferenzen strukturiert ist. Häufig ist die Portfoliostruktur zu immobilienlastig, was sich negativ auf die Gesamtkapitalrendite auswirkt. Ziel der Liquiditätsplanung ist es, die Zahlungsfähigkeit des Kunden jederzeit sicherzustellen und Vermögensbildungspotenziale zu identifizieren. Der Finanzplan beschreibt den finanziellen Status quo. Es werden Soll-Ist-Vergleiche durchgeführt; da, wo es notwendig ist, werden konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Die einzelnen Handlungsempfehlungen münden in eine Strategie, die es mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen umzusetzen gilt.
- Umsetzung. In dieser Phase der Finanzplanung muss die Strategie besprochen und erörtert werden, wann und mit welchen Geldanlageprodukten das empfohlene Maßnahmenbündel realisiert werden soll. Erst jetzt wird über konkrete Anlagemöglichkeiten gesprochen. Dabei ist es sinnvoll, wenn der Finanzplaner unabhängig ist und nicht nur auf die Produkte eines Konzerns zurückgreifen muss. Ebenso sollte ein fundiertes Research die Argumentation für eine bestimmte Anlage untermauern.
- Betreuung. Im letzten Schritt des Finanzplanungsprozesses dokumentiert sich der Grundsatz „Finanzplanung ist Lebensplanung“. Wichtig ist es, das Controlling und die Anpassung zu beobachten. Die Entwicklung der empfohlenen Maßnahmen sollte anhand nachvollziehbarer Benchmarks kontrolliert und gegebenenfalls sollten Gegenmaßnahmen oder Umschichtungen ergriffen werden, um die festgelegte Anlagestrategie zu verwirklichen und Fehlentwicklungen vorzubeugen. Ebenso gilt es, Veränderungen im privaten und beruflichen Bereich zu erfassen und im Rahmen der Aktualisierung des Finanzplans zu berücksichtigen. Dabei ist der Arbeitsaufwand in der Regel wesentlich geringer als bei der ersten Datenerfassung. Charakteristisch für den Finanzplanungsprozess ist das Hinzuziehen von Spezialisten aus den unterschiedlichsten Bereichen. Der Finanzplaner nimmt die Stellung des Generalisten ein, der die Experten koordiniert und deren Handlungsempfehlungen aufeinander abstimmt. Damit wird vermieden, dass die verschiedenen Berater unabhängig voneinander in ihren Spezialbereichen gute Empfehlungen abgeben, im Gesamtzusammenhang aber ein suboptimales Ergebnis entsteht. Ebenso sind die steuerlichen und rechtlichen Berater hinzuziehen, wenn es um Fragen der Steueroptimierung oder Nachfolgeregelungen geht.
Bei der Auswahl des Finanzplaners sollte der Kunde auf das international anerkannte Gütesiegel des Certified Financial Planners (CFP) achten. Derzeit gibt es rund 700 CFPs in Deutschland, die ihre Lizenzierung durch den Deutschen Verband Financial Planners (DEVFP) erhalten haben. Ein vom DEVFP lizenzierter Finanzplaner arbeitet nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Finanzplanung und hat sich zur ständigen Weiterbildung verpflichtet, die vom Verband überprüft wird. Kommt ein CFP seiner Weiterbildungsverpflichtung nicht nach, so verliert er seinen Titel und wird vom Verband ausgeschlossen. Informationen zu lizenzierten Finanzplanern und deren Berufsbild gibt es im Internet unter www.devfp.de.
Dirk Brennecke, CFP
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema