ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2002Schadensersatz wegen Kontraindikation: Patientenwunsch nicht entscheidend – Arzt ist der Fachmann

VARIA: Rechtsreport

Schadensersatz wegen Kontraindikation: Patientenwunsch nicht entscheidend – Arzt ist der Fachmann

Dtsch Arztebl 2002; 99(46): A-3129 / B-2637 / C-2341

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LNSLNS Wenn ein Arzt auf ausdrücklichen Wunsch eines Patienten eine Therapie anwendet, von der er als Fachmann aber weiß, dass sie kontraindiziert ist, haftet er für die immateriellen und materiellen Schäden uneingeschränkt. Der Patient trägt keine Mitschuld.
Im zu entscheidenden Fall ging es um einen Patienten mit Schmerzen in der Hüfte, der sich längere Zeit in orthopädischer Behandlung befunden hatte. Ende 1991 wandte er sich an die zuständige Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler und bat, die vom Arzt vorgenommene Spritzentherapie zu überprüfen. Die Kommission befand, dass die intraartikulären Injektionen angesichts der Marcumar-Behandlung des Patienten kontraindiziert waren. Der Arzt hatte allerdings angegeben, dass der Kläger darauf bestanden habe, obwohl er ihn über die Risiken belehrt habe. Diesen Einwand ließ das Gericht nicht gelten.
Nach den Ausführungen des Sachverständigen hätte der Arzt seinem Patienten abraten müssen. Zumindest hätte er ihm die Risiken schonungslos schildern müssen. Dem Patienten hätte man erklären müssen, dass kleinste Verletzungen durch eine Spritze bei ihm zu lebensbedrohenden Blutungen führen können, weil sie weit über das normale Maß hinausgehen können und nicht schnell beherrschbar sind. Nach den Unterlagen hatte der Arzt lediglich darauf hingewiesen, dass Hämatome sich organisieren, dann zu lokalen Druckerscheinungen führen könnten und Gefäßkompressionen bekannt seien. (Oberlandesgericht Düsseldorf, Urteil vom 16. November 2000, Az.: 8 U 101/99) Be
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