ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1996Lipophile Betarezeptorenblocker: Intakte vagale Gegenregulation

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Lipophile Betarezeptorenblocker: Intakte vagale Gegenregulation

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Betarezeptorenblocker schützen Patienten mit isch-ämischer Herzkrankheit vor dem plötzlichen Herztod – dieser Effekt ist durch zahlreiche klinische Studien hinreichend dokumentiert. Weniger gut belegt ist dagegen, wie dieser Effekt zustande kommt und warum einige Substanzen dieses Wirkprinzips effektiver sind als andere. Eine sehr häufige Konstellation ist das durch Myokardischämie ausgelöste letale Kammerflimmern. Dabei scheint die Imbal-ance des autonomen Nervensystems eine wesentliche Rolle zu spielen. Vieles weist jetzt darauf hin, daß der verminderten vagalen Aktivität eine größere Bedeutung zukommt als der sympathischen Überstimulation. Deshalb sind möglicherweise lipophile Betablocker, die nicht nur peripherkardial, sondern auch zentral die autonomen Reaktionen modulieren, wirksamer als hydrophile Substanzen, die weniger gut die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Basis dieser Überlegungen sind die tierexperimentellen Studien von Prof. Peter Schwartz (Padua), die gezeigt haben, daß nach Infarkt oder belastungsbedingter Ischämie vor allem dann Kammerflimmern auftrat, wenn die sympathische Stimulation nicht durch eine vagale Gegenregulation ausgeglichen werden konnte.
Wie Dr. Henning M|olgaard. (Århus) beim internationalen Symposium der Astra GmbH "Betablockers in the Forefront of Research" in Hamburg berichtete, ist dies ein Hinweis darauf, daß eine intakte parasympathische Aktivität ein grundlegender Faktor für die elektrische Stabilität des ischämischen Myokards sein muß. Als weiterer Faktor gilt akuter – emotional oder somatisch induzierter – Streß. Das könnte beispielsweise erklären, warum während des Erdbebens in Los Angeles die Zahl an Fällen plötzlichen Herztodes bei Patienten mit ischämischer Herzkrankheit so überproportional angestiegen war. Als wesentlicher Effekt der Betablockade wird der dämpfende Einfluß auf die adrenerge Überstimulation angesehen. Unter "streßarmen" Alltagsbedingungen ließen sich kaum Unterschiede bei der Wirksamkeit verschiedener Substanzen erkennen.
Vergleiche man dagegen die Effekte eines lipophilen Betablockers wie Metoprolol mit denen eines hydrophilen wie Atenolol in Streßsituationen, dann sei eine deutliche Überlegenheit der lipophilen Substanz erkennbar. Dieser bei verschiedenen Tierspezies erhobene Befund ist seiner Meinung nach ein Hinweis auf einen dualen Wirkmechanismus. Metoprolol hemme nicht nur an der Herzzelle die sympathische Aktivität, sondern stimuliere beziehungsweise erhalte gleichzeitig zentral die vagale Gegenregulation.
"Ein guter Vagotonus kann Leben retten", betonte M|olgaard. "Als Beispiel einer ,streßreichen' Situation für den Organismus nannte er eine Plaqueruptur, die zum plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern führen kann. Weisen die Patienten dagegen gute vagale Reaktionen auf – physiologisch oder durch den Schutz eines Betablockers wie Metoprolol –, dann besteht eine wesentlich höhere Chance, die Klinik rechtzeitig zu erreichen, um eine Thrombolyse einzuleiten." Gabriele Blaeser-Kiel
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