ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2002Obduktionen: Ruf nach dem Gesetzgeber

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Obduktionen: Ruf nach dem Gesetzgeber

Gerst, Thomas

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LNSLNS Ein gefundenes Fressen für die Sensationspresse – da wird mehr als 25 Jahre nach ihrem Selbstmord das Gehirn der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof am Institut für Psychiatrie der Universität Magdeburg ausfindig gemacht. Dort sollte der Frage einer möglichen Schuldunfähigkeit Meinhofs wegen eines Hirnschadens nachgegangen werden. Dagegen sind die Gehirne der RAF-Terroristen Baader, Ensslin und Raspe, die jahrelang am Institut für Hirnforschung der Universität Tübingen aufbewahrt wurden, inzwischen spurlos verschwunden. Und schon wird der Ruf nach dem Gesetzgeber laut, der für eindeutige Vorschriften sorgen soll. Vergessen wird dabei, dass in diesen Fällen – anders als bei den klinischen Sektionen – die Obduktionen und Organentnahmen gemäß Strafprozessordnung auf bundesgesetzlicher Grundlage erfolgten. Gesetzlich nicht geregelt ist allerdings, was nach der Obduktion mit den entfernten Leichenteilen zu geschehen hat.
Ob gesetzliche Bestimmungen überhaupt geeignet sind, in einer solchen Gemengelage aus öffentlichem Interesse, Forschungsinteresse und Achtung der Totenruhe den rechten Weg zu weisen, ist zweifelhaft. Hier wäre es Aufgabe der Ärzte, in ihren Gremien Regelungen zu entwickeln, die immer wieder aufs Neue den sich verändernden Einstellungen in der Bevölkerung zum Umgang mit Verstorbenen Rechnung tragen.
Die aktuelle Diskussion darüber, ob das Transplantationsgesetz verfassungskonform ist, weil es die Bundes­ärzte­kammer zur Regelung der Organverteilung ermächtige, lässt allerdings vermuten, dass künftig strengere Anforderungen gestellt werden, wenn es um die Kompetenz der Ärzte geht, in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung mit medizinethischen Fragen umzugehen. Thomas Gerst
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