ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2002Bioterrorismus: Pockenviren - Wie sich die Staaten vorbereiten

AKTUELL: Akut

Bioterrorismus: Pockenviren - Wie sich die Staaten vorbereiten

Dtsch Arztebl 2002; 99(47): A-3141

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Deutschland plant weiterhin keine Massenimpfungen zum Schutz vor Bioterrorismus-Attacken mit Pockenviren. Dennoch wolle die Bundesregierung in naher Zukunft einen entsprechenden Impfstoff für alle Bürger bereithalten, so das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin auf Anfrage, um im Fall eines derartigen Terroranschlages vorbereitet zu sein. Etwa 31 Millionen Einheiten sind bereits beschafft worden, ihre Zahl soll nach Angabe des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums auf 80 Millionen erhöht werden; die Impfstoffe würden dezentral gelagert werden. Seit dem 11. September 2001 sind die Vorbereitungen zur Abwehr eines bioterroristischen Angriffs nach Agenturangaben kontinuierlich erhöht worden. So hätten die Bundesministerien für Inneres, Verteidigung und Gesundheit sowie das RKI für Deutschland einen detaillierten Alarmplan fertig gestellt, der Szenarien vom „Einzel- bis zum Massenfall“ durchspielt. Danach sind im Falle eines begrenzten Ausbruchs innerhalb Deutschlands regionale „Abriegelungsimpfungen“ vorgesehen. Vorgesehen sind auch Impfungen spezieller Berufsgruppen wie 500 000 Feuerwehrkräfte und 800 000 Personen, die in Kliniken arbeiten.

Die US-Behörden planen die Durchimpfung der gesamten Bevölkerung, falls es zu einer Bioterrorismus-Attacke mit Pockenviren kommen sollte. Das jetzt vorgestellte Dokument der Centers of Disease Control and Prevention (CDCP) stellt eine Abkehr von der bisher favorisierten Ring-Impfung dar, in der nur die Umgebung des Erkrankten isoliert und vakziniert würde. Der „Smallpox Vaccination Clinic Guide“ beschreibt generalstabsmäßig, was im Fall einer Erkrankung zu geschehen hat. So sollen innerhalb von fünf bis sieben Tagen 280 Millionen Impfstoffe über das Land verteilt werden. Derzeit stehen in den USA nur 75 Millionen Dosierungen zur Verfügung. Die Regierung hat jedoch bereits Verträge über die Lieferung von weiteren 209 Millionen Impfstoff-Einheiten abgeschlossen.

Aus Angst vor Terroranschlägen mit Biowaffen stocken auch die Gesundheitsämter in Großbritannien ihre Vorräte an Pockenimpfstoff auf. Künftig soll die Vakzine für alle 58 Millionen Einwohner vorrätig sein, teilte das britische Ge­sund­heits­mi­nis­terium mit. Ursprünglich hatte die Regierung Impfstoff für etwa 18 Millionen Briten gekauft. Da keine akute Gefahr bestehe, werde es auch keine vorsorglichen Massenimpfungen geben, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Erst im Falle eines Anschlags würde die Regierung dazu übergehen. Derzeit würden nur Ärzte und Nothelfer geimpft, die im Ernstfall ohne Ansteckungsgefahr eingesetzt werden sollten. zyl
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