ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2002Gegenstandskataloge: Ein Instrument zur Spezifizierung des Prüfungsstoffs der schriftlichen Prüfungen

POLITIK

Gegenstandskataloge: Ein Instrument zur Spezifizierung des Prüfungsstoffs der schriftlichen Prüfungen

Dtsch Arztebl 2002; 99(47): A-3152 / B-2662 / C-2480

Neuser, Jürgen

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LNSLNS Die Kenntnis möglicher Prüfungsgegenstände ist Erfordernis jeglicher Prüfung, wie auch die internationale Prüfungspraxis zeigt. Den rechtlichen Rahmen für die ärztlichen Prüfungen gibt die ÄAppO vor, innerhalb dieses Rahmens jedoch sind Spezifierungen erforderlich. In dieser Hinsicht bestehen zwischen schriftlichen Zentralprüfungen und mündlichen Hochschulprüfungen keine Unterschiede. Bei den universitär durchgeführten Prüfungen besteht eine direkte Kontaktmöglichkeit zwischen Prüfern und Prüfungskandidaten. In der Regel verfügen die Kandidaten über direkte Mitteilungen des Prüfers hinsichtlich der Spezifizierung. Prüfungsgegenstände werden gewichtet, beziehungsweise sie können auf Erfahrungsberichte aus früheren Prüfungen zurückgreifen. Die Gegenstandskataloge des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP), Mainz, erfüllen eine vergleichbare Funktion für die schriftlichen Prüfungen: Sie stellen den Kandidaten Informationen über die Spezifikation der Prüfungsinhalte zur Verfügung.
Die Gegenstandskataloge werden von Expertengruppen erarbeitet und mit den Fachvertretern an den Universitäten abgestimmt. Sie wurden in der Vergangenheit mehrfach überarbeitet und aktualisiert. Dieses Prozedere führt zu einem fachlichen Konsens, der allerdings zwangsläufig breit ausfallen muss, da in ihm die Schwerpunktsetzungen und Sichtweisen aller Ausbildungsstätten repräsentiert sind.
Die Gegenstandskataloge haben bisher starke definitorische Wirkung gehabt. Diese hat vor allem eine überregionale Harmonisierung des Prüfungsstoffs bewirkt. Die Untergliederung hat dabei möglicherweise auch zu einer unerwünschten Abgrenzung einzelner Fachgebiete geführt und interdisziplinäre Ansätze eingeschränkt. Vor allem aber beeinflussen die Gegenstandskataloge die Gestaltung der Lehrbücher: So fließt medizinisches Fachwissen der Hochschullehrer auf dem Weg über die Gegenstandskataloge wieder an die Universitäten. Für die Durchführung der Lehre werden Gegenstandskataloge explizit heute kaum noch genutzt.
Die neue ÄAppO erfordert durch die Vorgabe fallbezogener Prüfungen, vor allem aber durch die verstärkte horizontale und vertikale Verzahnung und die Ausweisung von Querschnittsbereichen, Modifikationen im Konzept der Gegenstandskataloge. Das IMPP erarbeitet dazu Lösungsmöglichkeiten, wie den Prüfungskandidaten auch in Zukunft die Prüfungsinhalte der zentralen schriftlichen Prüfungen verlässlich an die Hand gegeben werden können.
Prof. Dr. Jürgen Neuser, Direktor des IMPP, Mainz
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