ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2002Herzchirurgie: Kunstherz verleiht bis zu zwölf Stunden Mobilität

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Herzchirurgie: Kunstherz verleiht bis zu zwölf Stunden Mobilität

Dtsch Arztebl 2002; 99(47): A-3156 / B-2665 / C-2483

Franke, Ingrid

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Mit der externen linksventrikulären Unterstützungspumpe Incor I sind die herzinsuffizienten Patienten beweglich; sie führen lediglich eine Walkman-große Steuereinheit und Batterien mit sich, mit denen man bis zu zwölf Stunden von anderen Energiequellen unabhängig ist. Foto: Berlin Heart AG
Mit der externen linksventrikulären Unterstützungspumpe Incor I sind die herzinsuffizienten Patienten beweglich; sie führen lediglich eine Walkman-große Steuereinheit und Batterien mit sich, mit denen man bis zu zwölf Stunden von anderen Energiequellen unabhängig ist. Foto: Berlin Heart AG
Ein neuartiges axiales Kreislaufunterstützungssystem nutzt ein magnetisches Kraftfeld anstelle einer Pumpe.

Weltweit sind rund 20 Millionen Menschen von einer Herzinsuffizienz der NYHA-Klassen III und IV betroffen. Spenderorgane sind äußerst knapp: Nur 4 000 bis 5 000 der Patienten, die im Endstadium der Erkrankung stehen, kann ein Spenderherz transplantiert werden. Geht man davon aus, dass in Deutschland jährlich circa 200 000 Patienten an einer terminalen Herzinsuffizienz sterben, von denen
2 500 Betroffene durch eine Herztransplantation oder die Implantation eines mechanischen Kreislaufunterstützungssystems zu retten wären, so wird der Stellenwert der Kunstherzsysteme deutlich. Mit dem Incor I stellte das Deutsche Herzzentrum Berlin jetzt in Kooperation mit der Berlin Heart AG für diese Patientengruppe ein neuartiges linksventrikuläres Assist-System vor. Die axiale Kreislaufunterstützungspumpe wurde im Berliner Herzzentrum bereits drei Patienten erfolgreich implantiert.
Im Gegensatz zu einem amerikanischen System läuft der Rotor, der das Blut kontinuierlich durch den Organismus pumpt, nicht auf mechanischen Lagern, sondern „schwebt“ in einem magnetischen Kraftfeld. So entsteht keine Reibung, keine Wärmeentwicklung und kein Verschleiß. Daraus resultiert gegenüber vergleichbaren Systemen ein um 75 Prozent geringerer Energiebedarf, sodass der Patient mit einer Akku-Ladung circa zehn bis zwölf Stunden unabhängig vom Stromnetz ist und eine weitaus größere Mobilität erlangt. Die Axialpumpe, die kleiner und leichter als herkömmliche Systeme ist, wiegt 200 g und hat einen Durchmesser von 30 mm.
Incor I ist sowohl als Bridging-System bis zur Transplantation geeignet als auch zur Entlastung des natürlichen Herzens bis zur Erholung und zum Dauereinsatz in Form der Alternative zur von vornherein nicht geplanten Transplantation. Das System besitzt eine Sensorik, um die Pumpe je nach Anstrengungsgrad herzsynchron arbeiten zu lassen und je nach Sauerstoffbedarf mehr oder weniger Blut umzuwälzen. Noch sind die Steuereinheit und Batterien in einer kleinen Tasche außerhalb des Körpers untergebracht, doch an einem vollimplantierbaren System wird bereits gearbeitet, bei dem mittels einer Spule per Induktion die Energiezufuhr erfolgen soll. Da der Incor-Träger wegen des kontinuierlichen Blutflusses pulslos ist und dies von Patient und Arzt als unnatürlich empfunden wird, will man die Pumpe so verändern, dass sie eine gewisse Art von Pulsschlag erzeugt. Der Marktpreis wird vermutlich 50 000 Euro betragen. Ingrid Franke
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