ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2002Mammakarzinom: Ideologie – koste es, was es wolle

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Mammakarzinom: Ideologie – koste es, was es wolle

Dtsch Arztebl 2002; 99(47): A-3169 / B-2677 / C-2493

Milbich, Jürgen

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LNSLNS Man muss schon unverfroren sein, um veraltetes, d. h. im Minimum fünf Jahre altes Zahlenmaterial als Beleg für die angeblich gar so schlechte Mammographie in Deutschland anzuführen.
Unberücksichtigt bleibt die Verschärfung der Geräterichtlinien in Deutschland seit 1996. Genauso unberücksichtigt bleibt der zwischenzeitlich erfolgte Wandel von der offenen Biopsie zur perkutanen Biopsie, die sich in den letzten Jahren großflächig etabliert hat. Grundregel: Man wählt nur das aus, was einem ins Konzept passt.
Hier geht es lediglich um die ideologische Untermauerung von politisch motivierten Intentionen, eine wissenschaftliche Diskussion ist längst passé. Es ist schon bemerkenswert, wenn als Fahnenträger der „Retter der Frauen“ ein Gesundheitsökonom und Klinischer Epidemiologe auftritt, der qua seiner Zahlenkompetenz als Berater unserer Ge­sund­heits­mi­nis­terin auftritt, von direkt mit der Materie befassten Disziplinen (Radiologen und Gynäkologen) jedoch keine Meinungen publiziert werden.
Herr Lauterbach möge bitte darlegen, worin seine Kompetenz besteht, als Wortführer zu einer Thematik aufzutreten, die von seinem eigenen Fachgebiet Meilen entfernt ist. Insbesondere wäre es interessant zu erfahren, wann zuletzt er aus seinem akademischen Elfenbeinturm in die Niederungen der Arbeit am Patienten herabgestiegen ist und einen solchen persönlich kontaktiert oder behandelt hat, um die individuelle Problematik kennen und beurteilen zu können. Sein Auftreten ex cathedra ähnelt dem des Papstes, der stellenweise Dogmata zu Themen veröffentlicht, zu denen ihm praktischer Bezug fehlt.
Ein Bedarf an weiteren pseudowissenschaftlichen Studien besteht nicht, gefragt ist eine wissenschaftlich fundierte, ideologiefreie Diskussion.
Ansonsten gilt auch hier die alte Doktoranden-Regel: Ich glaube nur die Zahlen, welche ich selbst gefälscht habe.
Dr. med. Jürgen Milbich, Wirtelstraße 34–36, 52349 Düren
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