ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2002Patientenrechte: Keine berauschenden Zukunftsaussichten

BRIEFE

Patientenrechte: Keine berauschenden Zukunftsaussichten

Dtsch Arztebl 2002; 99(47): A-3172 / B-2679 / C-2495

Fox, Thomas

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LNSLNS Die Politik hat es geschafft, unsere Leistung unter die Vergütung der Tiermediziner zu drücken. Nach dem Motto „Quantität vor Qualität“ ist vieles umorganisiert worden. Jetzt ist unsere Vergütung für eine Beratung in der Größenordnung einer Telefonauskunft. Messerscharf setzt nun die Logik ein, dass die Qualität erhöht werden muss. Also werden wir Ärzte gezwungen, unsere Qualität zu erhöhen, selbstverständlich kostenneutral.
Sagen wir doch endlich die Wahrheit. Die Sozialkassen wurden jahrelang durch die Politiker geplündert. Die medizinischen Möglichkeiten haben enorm zugenommen. Arbeitslosigkeit, Wirtschaftsflaute und Inflation führen zu weiterem Minus. Darunter leiden werden der Patient und auch wir Ärzte. Die Politik, die all dies zu verantworten hat, lehnt sich bequem zurück und hetzt nun die Patienten auf uns. Schon verleumderische Überschriften wie z. B.: „4 000 Frauen könnten durch bessere Ärzte von Brustkrebs geheilt werden“ oder solche Aussagen eines Onkologen wie Herrn Gallmeier: „Die Ärzte müssen von ihrem hohen Sockel steigen“, entlarven die Strategie. Es beginnt nun die Jagd auf uns Ärzte. Die Einführung der Fallpauschalen wird diese Situation noch verschärfen, da die Patienten mit Sicherheit früher entlassen werden. Der Patient ist rat- und hilflos seiner Situation ausgeliefert. Und an allem sind wir Ärzte schuld, weil wir keine Zeit für ihn haben und schlechte Qualität erbringen.
Wir sind verantwortlich für die Folgen der Krankheit. Er wird seine Rechte einfordern. Die Ärzte können alle Medikamente, Massagen und sonstige Hilfsmittel im Einzelfall verordnen. Hier gibt es ja keine Einschränkungen. Überschreitet der Arzt sein Budget, ist dies sein Problem. Diese Situation kennen wir, und sie hat nicht zu unserer Motivation beigetragen. Jetzt kommt eine neue Dimension hinzu. Diese zielt auf die Lebens- und Arbeitszeit der Ärzte ab: Information. Dazu braucht man Zeit, die aber nicht bezahlt wird. Wahrlich keine berauschenden Zukunftsaussichten für uns Ärzte.
Dr. med. Thomas Fox, Radiologische Praxis am Krankenhaus St. Josef, Klosterstraße 14, 66125 Saarbrücken
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