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Rudolf Virchow

Dtsch Arztebl 2002; 99(47): A-3176 / C-2496

Andree, Christian

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Biografie
Gelungener Rückblick auf einen vielseitigen Arzt
Christian Andree: Rudolf Virchow. Leben und Ethos eines großen Arztes. Langen Müller, Herbig Verlagsbuchhandlung, München, 2002, 304 Seiten, 21 Fotos, gebunden, 22,90 €
Am Abend des 4. Januar 1902 brach sich Rudolf Virchow auf dem Weg zu einer Sitzung der Gesellschaft für Erdkunde beim Abspringen von der Straßenbahn – er war zu diesem Zeitpunkt bereits 81 Jahre alt – den Oberschenkelhals und starb acht Monate später am 5. September 1902, nicht ohne vorher den Versuch gemacht zu haben, „wieder in regelmäßige Arbeit zu treten“. Sowohl der Sprung von der Straßenbahn auf dem Weg zu einer wissenschaftlichen Sitzung als auch der Versuch, vom Krankenlager wieder die gewohnte Arbeit aufzunehmen, charakterisieren diesen rastlosen, vielseitigen Mann, der als Arzt, Politiker und Anthropologe weit über seine Zeit hinaus wirkte.
Zum 100. Todestag erschien jetzt eine neue Biografie Rudolf Virchows, verfasst von dem Medizinhistoriker Christian Andree, der als Herausgeber einer auf mehr als 70 Bände angelegten Gesamtausgabe der Werke Rudolf Virchows wie kein zweiter als Virchow-Biograf legitimiert ist. In Vorbereitung der noch nicht abgeschlossenen Gesamtausgabe hatte Andree unzählige handschriftliche Notizen, Briefe und Aufzeichnungen Virchows zu entziffern, und – dies macht den Reiz der vorliegenden Virchow-Biografie aus – Andree lässt Virchow umfangreich selbst zu Wort kommen.
Das Buch ist gegliedert in drei Teile: eine kurz gefasste Wirkungsgeschichte, die eigentliche Biografie mit der spannenden Darstellung auch des Politikers Virchow (beschrieben wird unter anderem die in einer Duellforderung gipfelnde Auseinandersetzung mit Bismarck) sowie Ausführungen zum Ethos dieses vielseitigen Arztes und Forschers. Dieser dritte Teil enthält lesenswerte Abschnitte, zum Beispiel zu den Themen: Medizin – eine janusköpfige Wissenschaft, Versuche am Menschen, ärztliche Standesdisziplin, die epidemische Krankheit als soziales Problem, der ärztliche Kunstfehler.
Die ethische Grundhaltung Virchows wurde früh geformt durch seine Erfahrungen anlässlich der 1848 in Oberschlesien ausgebrochenen „Typhus“-Epidemie (in Wirklichkeit eine Fleckfieber-Epidemie). Hier lernte Virchow die sozialen Hintergründe von Erkrankungen kennen, die in seine – wie ein Cantus firmus sein Leben und seine Arbeit durchziehende – Forderung nach „Bildung und ihren Töchtern Freiheit und Wohlstand“ mündete.
Diesem gelungenen Rückblick auf Leben und Werk Rudolf Virchows sind viele Leser zu wünschen. Burkhard Madea
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