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Die GERAC-Studie soll Klarheit über den möglichen Erfolg einer Akupunkturbehandlung bringen. Nach vierjährigem Studium der Materie kam der Bundesausschuss Ärzte und Krankenkassen mit seinem paritätisch von Ärzten und Krankenkassenvertretern besetzten Unterausschuss „Akupunktur“ im Sommer 2000 zu dem Schluss, dass eine Wirkung der Akupunktur bisher nach wissenschaftlichen Methoden nicht nachgewiesen worden ist, sodass eine Aufnahme in den EBM-Katalog abzulehnen sei. Dies wurde dann von den Geschäftsführern der Krankenkassen nicht akzeptiert. Auf der Suche nach einer Lösung wurde im Oktober des selben Jahres die Idee zu einer Erprobungsregelung geboren, die im Feldversuch Klarheit bringen sollte. Ob die behauptete Intention, so könne man doch weiter um den „Kunden Patient“ buhlen, zutrifft, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden.
Alle einschlägigen Akupunkturvereine hatten sich zu diesem Zeitpunkt darauf eingestellt, an diesem Großversuch teilzunehmen. Unter anderem wurde von einem renommierten Institut der Biomathematik (Hochschule Bochum) ein Studienplan erarbeitet, der die wirklich drängenden Fragen klären sollte:
- Kann der Effekt einer Akupunkturbehandlung gegen eine Placebo-Nadelung abgegrenzt werden?
- Wenn ja, wie spezifisch muss Akupunktur von der Anwendung her sein?
Handelt es sich um deutlich differenzierbare Effekte bei unterschiedlicher Nadelungsweise und Auswahl der Nadelungspunkte?
- Welche Rolle spielt der Anwender bei der Akupunkturwirkung?
Die einmalige Möglichkeit zur wissenschaftlichen Klärung wurde jedoch durch Manipulation verbaut. So wird eine 140 Stunden dauernde Ausbildung der teilnehmenden Ärzte vorgeschrieben (zur Erlangung des A-Diploms), von der es im Ergebnis des Gutachtens des Bundesausschusses heißt, es gäbe keinerlei wissenschaftlichen Anhalt für eine bestimmte zu fordernde Ausbildung. Dies hat zur Folge, dass die Ausbildungsforderung die Zahl der Anwender senkt (Ziel der Kassen) und eine teure Zwangsausbildung für Kollegen eingeführt wird (Ziel der Akupunkturvereine).
Alle Placebonadeln werden in subkutane Regionen gestochen, die dem Patienten keine Muskelstimulation über Druck- und Dehnungsrezeption vermitteln. Damit wird die Grundaussage einer wissenschaftlichen Betrachtung, Akupunktur vermittle einen unspezifischen Druckreiz in gleicher Qualität aber unterschiedlicher Quantität an verschiedenen Stellen des Körpers, nicht überprüft. Somit wird der Nachweis einer unangenehmen Wahrheit, der Unspezifität des Nadelreizes bewusst vermieden, um den Ausbildungsumfang aufrecht erhalten zu können.
Entgegen der ursprünglichen Planung wird kein Vergleich zwischen einem asiatisch aussehenden Behandler und einer Person anderer Rasse gezogen. Hierdurch soll ein zu deutlicher Anstieg des Placeboeffektes vermieden werden.
Insgesamt also eine von vornherein auf die Bestätigung des Bestehenden ausgerichtete Versuchsplanung, die den Willen von Kassen und beteiligten Ausbildungsvereinen bestätigen soll. Von wirklich wissenschaftlicher Erprobung leider keine Spur.
Dr. med. Franz Koettnitz
Allee nach Sanssouci 7
14471 Potsdam

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