ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2002GERAC-Akupunktur-Studien: Objektivität der teilnehmenden Ärzte fraglich
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LNSLNS Ich verstehe nicht, dass Sie in Ihrem Artikel (und wohl für die Studie
grundsätzlich) in unnötiges und ärgerliches „Denglisch“ verfallen. Warum wird von Ihnen die Schein-Akupunktur zur „Sham“-Akupunktur verunstaltet? Was hat ein solches Unwort in einer Zeitschrift zu suchen, die sich ausschließlich an deutschsprachige Leser wendet?
Weiterhin möchte ich Ihnen Bedenken mitteilen, die ich mit anderen Kollegen teile: Wie stellen Sie die exakte Bewertung und die Seriosität der offenbar vielen tausend niedergelassenen Ärzte sicher? Ihr Vorgehen mutet mir an wie die so genannten Feldstudien, die die Pharmaindustrie mit niedergelassenen Ärzten veranstaltet. Ich habe wiederholt erlebt, dass Ärzte die entsprechenden Fragebögen frei erfunden ausgefüllt und das entsprechende Honorar kassiert haben, ohne dass überhaupt nur einer ihrer Patienten das entsprechende Präparat eingenommen hatte.
Falls Sie argumentieren, Ihre Ärzte bekämen ja kein Honorar, so trifft das nur scheinbar zu. Unter den Akupunkteuren, die ich kenne, gibt es im Wesentlichen zwei Gruppen:
Die einen sind weltanschaulich festgelegte, oft anthroposophische Ärzte, welche sich mit Sicherheit nicht nach evidenzbasierten Kriterien richten.
Die anderen verabreichen Akupunktur aus pekuniären Gründen. Bei
den Ersteren werden die Ergebnisse unbewusst fragwürdig sein, bei der zweiten Gruppe wird kaum Interesse bestehen, die Pfründe möglicherweise durch negative Ergebnisse zu gefährden.
300 000 Patienten klingt ungeheuer beeindruckend. Ich bin aber sicher, dass Sie mit weniger, aber seriösen und kontrollierten Prüfern ein zutreffenderes Ergebnis bekommen würden. So wird es wohl nur ein „Sham“-Ergebnis werden. Oder haben Sie doch effektive Kontrollmaßnahmen entwickeln können?
Prof. Dr. med. Klaus-Werner Wenzel
Potsdamer Chaussee 80
14129 Berlin

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