ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2002Umfrage unter Unfallchirurgen: Lästige Dokumentation

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Umfrage unter Unfallchirurgen: Lästige Dokumentation

Dtsch Arztebl 2002; 99(47): A-3212 / B-2708 / C-2524

Flintrop, Jens

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Foto: KirchMedia
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Trotz längerer Arbeitszeiten ist die Zufriedenheit der Ärztinnen und Ärzte in der Unfallchirurgie im Durchschnitt höher als bei anderen Krankenhausärzten. Dieses Fazit ziehen Dr. med. Felix Bonnaire und Dr. med. Thomas Hohaus aus einer Umfrage unter Unfallchirurgen, die unter anderem vom Berufsständischen Ausschuss der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie initiiert worden war. Um die Situation und Stimmung in der Unfallchirurgie zu erfassen, wurden 65 große unfallchirurgische Kliniken angeschrieben und die ärztlichen Mitarbeiter (keine Chefärzte) mit einem standardisierten Fragebogen anonym befragt. Es beteiligten sich 296 Ärzte: 32 Ärzte im Praktikum (AiP), 181 Assistenten und 78 Oberärzte.
Die Befragten empfinden die Arbeit in der Unfallchirurgie als sehr interessant und motivierend, kritisieren aber die zunehmenden bürokratischen Dokumentationsaufgaben. Diese seien zeitraubend, fachfremd und frustrierend.
Das Arbeitspensum in der Unfallchirurgie kann infolge „frischer“ Unfälle und unvorhergesehener Ereignisse stark schwanken. Durchschnittlich wird in diesem Bereich aber wohl noch mehr gearbeitet als in anderen Krankenhausabteilungen: Nur 17 Prozent der AiP, 19 Prozent der Assistenten und 21 Prozent der Oberärzte sind weniger als 45 Stunden pro Woche in der Klinik, Bereitschafts- und Rufbereitschaften nicht einberechnet. Die meisten Ärztinnen und Ärzte im Praktikum arbeiten zwischen 45 und 49 Stunden wöchentlich (42 Prozent), neun Prozent sogar mehr als 55 Stunden. Von den Assistenzärzten schaffen rund 30 Prozent mehr als 55 Stunden pro Woche, bei den Oberärzten sind es 18 Prozent. Mit zunehmender Arbeitszeit steigt der Anteil derjenigen Ärzte, die eher unzufrieden als zufrieden mit ihrer Arbeitssituation sind.
Nach den Änderungswünschen gefragt, gab die Mehrzahl (170) der Befragten eine korrekte Überstundenerfassung und -bezahlung an, gefolgt vom Wunsch nach weniger Überstunden (113) und flexiblen Arbeitszeiten (73). Freizeitausgleich (49) und weniger Dienste (46) wurden seltener angekreuzt. Für Teilzeitarbeit plädierten nur wenige Unfallchirurgen (17); Schichtarbeit wird von den meisten abgelehnt (nur 19 Befürworter).
Unter den frei formulierbaren Bemerkungen zur Arbeitssituation in der Unfallchirurgie war der häufigste Wunsch der nach weniger Bürokratie. Viele regen an, dass angelernte Nichtärzte, zum Beispiel aus der Verwaltung, Dokumentationsaufgaben auf den Stationen übernehmen sollten. Ein Vorschlag, den immer mehr Krankenhausdirektoren wohl schon bald aufgreifen werden, um dem zunehmenden Ärztemangel zu begegnen und um eine weitere Ärzteflucht aus den Kliniken zu verhindern. Jens Flintrop
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