ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2002zur Depotpolitik: Hin und Her macht Taschen leer

VARIA: Schlusspunkt

zur Depotpolitik: Hin und Her macht Taschen leer

Dtsch Arztebl 2002; 99(47): [76]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wie gut, dass es Anlageberater gibt, die sich richtig herzhaft um Wohl und Wehe ihrer Kunden kümmern. Von mehreren Lesern höre ich etwa, dass sie einen Anruf ihres Wertpapiermenschen bekommen haben, sie sollen doch bitte ihre Aktien möglichst noch diese Woche verkaufen.
So ein Quatsch. Es besteht kein Grund zu hektischen Verkäufen, schon gar nicht noch diesen Monat. Ich persönlich kann nicht umhin, diesen Druck, der auf die eh schon verunsicherten Börsianer einprasselt, als Panikmache zu bezeichnen. Es wird mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit zwar dazu kommen, dass die Gewinne aus Spekulationsgewinnen der Versteuerung anheim fallen, über das Wie mag man sich im Detail noch nicht sicher sein.
Aber: Es wird auf gar keinen Fall zu einer steuerlichen Rückwirkung kommen, die Neuregelung kann nur auf neu angeschaffte Aktien angewandt werden. Bestenfalls kann ich mir vorstellen, dass nach der Hessenwahl nächstes Jahr die Regelung verschärft wird, dass nach Ablauf einer Karenzfrist auch die früher angeschafften Werte im Depot der Steuerpflicht unterliegen.
Ängste, dass selbst in einem solchen Fall eine Flut von Papieren auf den Markt geworfen wird und dann die Kurse stark nach unten gehen, weil dann alle Privatanleger plötzlich aus Dividendentiteln herauswollen, halte ich gleichwohl für wenig begründet. Es gibt meines Erachtens in diesem Fall genügend institutionelle Anleger, die das Material gerne aufnehmen würden.
Hinter der Fürsorge so mancher Anlageberater scheint mir also eher das Motiv zu stecken, Wertpapierumsätze zu generieren. Wenn der Markt daniederliegt, ist anscheinend kein Grund zu blöd, den Kunden zu Depotumschichtungen zu verlocken.
Ähnlich liegen die Gründe, wenn immer wieder zu Fondsumschichtungen geraten wird. Auch diese Art der Depotpolitik wird in jüngster Zeit häufig gepflegt, wie ich höre.
Da sagt doch ein Berater allen Ernstes zu seinem Kunden, dieser und jener Fonds bringt es nicht mehr, besser wäre, jetzt auf den Fonds XY umzusteigen. Diese Aussage treibt dem Bankexperten noch nicht mal die Schamröte ins Gesicht, obwohl derselbe Mann vor Jahren die nämlichen Fonds empfohlen hat, die heute verkauft werden sollen, mit großen Verlusten, versteht sich. Glauben Sie wirklich, mit dem neuen Fonds würden bessere Erträge erwirtschaftet? Für die Bank schon, denn das fröhliche Hin und Her bringt ja satte Gebühren.
Nur ein gerüttelt Maß an Kultur verhindert hier, dem Ratgeber seine damaligen Empfehlungen nicht um die Ohren hauen zu wollen.
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