ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2002Zervixkarzinom: Impfung gegen Krebs

AKTUELL: Akut

Zervixkarzinom: Impfung gegen Krebs

Dtsch Arztebl 2002; 99(48): A-3217 / B-2713 / C-2529

Koch, Klaus

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Erstmals haben US-Forscher nachgewiesen, dass sich Infektionen mit Warzenviren und damit möglicherweise auch durch die Erreger ausgelöste Zervixkarzinome durch einen Impfstoff verhindern lassen (New England Journal of Medicine 2002; 347: 1703). Die Gruppe um Dr. Laura Koutsky von der University of Washington und Dr. Kathrin Jansen von den Merck Research Laboratories in West Point (USA) hatten in einer randomisierten Studie etwa 770 Frauen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren einen Impfstoff injiziert, der zur Vermehrung unfähige humane Papillomviren vom Typ HPV-16 enthielt. Die Frauen erhielten drei Injektionen im Laufe eines halben Jahres. Während der folgenden 17 Monate steckte sich keine einzige Frau dauerhaft mit dem Erreger an. Von weiteren 800 Probandinnen, die nur eine Placebo-„Impfung“ erhalten hatten, infizierten sich 41 mit dem Virus, neun davon hatten HPV-16-positive Schleimhautdysplasien entwickelt. „Dieses Ergebnis ist ein Meilenstein“, sagt der Frauenarzt Dr. Jörg Dose (Universität Hamburg), „die Vorbeugung des Zervixkarzinoms rückt in greifbare Nähe.“

Allerdings wird es noch einige Jahre dauern, bis der Impfschutz gegen Warzenviren auf den Markt kommen wird. „Für einen breiten Einsatz ist dieser Impfstoff noch nicht optimal, weil er nicht vor den weiteren Warzenviren schützt, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können“, sagt Dose. Bis heute wurden mehr als 20 verschiedene HPV-Typen mit Zervixkarzinomen assoziiert So entwickelten sich in beiden Gruppen bei jeweils 22 Frauen Dysplasien, die offenbar durch andere Papillomviren ausgelöst worden waren. Offen ist zudem, wie lange der Impfschutz anhält. Und derzeit gibt es keine Hinweise, dass der Impfstoff bei bereits infizierten Frauen eine Abheilung der Infektion bewirkt.

Zurzeit nehmen Unikliniken in Hamburg, Berlin und München bereits an einer weiteren Studie teil: An mehreren 1 000 Frauen um die 20 Jahre wird weltweit ein Impfstoff erprobt, der gleichzeitig vor vier verschiedenen Warzenviren und Hepatitis B schützen soll. Neben HPV-16 enthält der Impfstoff auch HPV-18, einen weiteren als Mitursache des Zervixkarzinoms verdächtigten Virus-Typ. Diese beiden Viren werden in den Industrieländern etwa in drei von vier Gebärmutterhals-Tumoren nachgewiesen. Zusätzlich soll der Impfstoff auch vor zwei Erregern von Genitalwarzen schützen. Klaus Koch
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema