ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2002Arznei­mittel­kommission: Auf Sachverstand setzen

POLITIK

Arznei­mittel­kommission: Auf Sachverstand setzen

Dtsch Arztebl 2002; 99(48): A-3238 / B-2728 / C-2542

Korzilius, Heike

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LNSLNS Der Kommissionsvorsitzende bietet der Regierung eine
Kooperation in anstehenden Arzneimittelfragen an.

Wir müssen das Rad nicht dauernd neu erfinden“, erklärte Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen. Der Vorsitzende der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) setzte sich bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Medica in Düsseldorf kritisch mit den Plänen von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt auseinander. Die Ministerin plant, ein unabhängiges Institut zu schaffen, das Arzneimittel, die zulasten der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung verordnet werden sollen, einer Kosten-Nutzen-Bewertung unterzieht. „Eine solche Institution gibt es längst“, sagte Müller-Oerlinghausen. Mit ihren 40 ordentlichen und mehr als 100 außerordent-
lichen Mitgliedern befasse sich die AkdÄ seit Jahren mit der Erstellung evidenzbasierter Leitlinien – erst Ende November hat die Kommission eine Leitlinie zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 entwickelt –, mit regelmäßig aktualisierten Arzneimittelinformationen und Fragen der Arzneimittelsicherheit.
50-jähriges Jubiläum der AkdÄ
Sein Angebot an die Politik: „Wir sind bereit, sinnvolle politische Instrumente zur rationalen Arzneitherapie zu unterstützen.“ Dazu gehört für Müller-Oerlinghausen auch die von Ge­sund­heits­mi­nis­terin Schmidt geplante so genannte 4. Hürde für die Arzneimittelzulassung. Angesichts der Irrationalität der Zulassungspraxis müsse man die Wertigkeit von Arzneimittel-Innovationen tatsächlich überprüfen. „Wir müssen überlegen, welche Arzneimittel wir eigentlich in der vertragsärztlichen Versorgung benötigen und wie viel sie uns wert sind“, so Müller-Oerlinghausen. Dass die Politik bei solchen Entscheidungen auf den Sachverstand der Kommission zurückgreifen müsste, steht für den AkdÄ-Vorsitzenden außer Frage. Es müsse verhindert werden, dass nur Pharmakoökonomen, „EbM-Akrobaten“ und Kassenvertreter an diesem Prozess beteiligt seien.
Zu den sinnvollen Instrumenten der arzneitherapeutischen Qualitätssicherung gehört nach Ansicht der AkdÄ der jährlich erscheinende Arzneiverordnungsreport ebenso wie die Positivliste für Arzneimittel, an deren Erstellung Mitglieder der AkdÄ mitgewirkt hätten. Zudem beteilige sich die Kommission konstruktiv an den Vorbereitungen für „vernünftige“ Regelungen zum „Off-Label-Use“ und zu aut idem. Angesichts solch konstruktiver Beiträge zu einer qualitativ hoch stehenden Versorgung leiste die verfasste Ärzteschaft wesentlich mehr als nur „Geschrei von Lobbyisten“. Das hatte vor kurzem Ministerin Schmidt den Ärzten vorgeworfen, die gegen ihre Sparpläne protestierten. „Die AkdÄ kann ihren Sachverstand nur anbieten. Wenn wir in dem neuen Institut nicht vertreten sind, ist das von vornherein ein Mangel“, lautete somit das Fazit des AkdÄ-Vorsitzenden.
„Wir sind auf einem schlechten Weg“, konstatierte auch der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, mit Blick auf die Regierungspläne. Die Selbstverwaltung werde zur Auftragsverwaltung degradiert, wenn ärztlicher Sachverstand nicht mehr in Entscheidungen einbezogen werde. Dabei blickt die Arznei­mittel­kommission auf eine lange Tradition zurück. In ihrer jetzigen Form existiert sie seit 50 Jahren – ein runder Geburtstag, den sie am 29. November mit einem Festakt in Köln begehen wird. Heike Korzilius
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