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LNSLNS Dass Beethoven sein Mittel- und Spätwerk, eine Anthologie der schönsten und erhabensten Kompositionen der Musikliteratur, im Zustand schwerbehinderter, zuletzt erloschener Hörfunktion erschuf, hat die Nachwelt und auch die Otologen seit jeher vor Rätsel gestellt. Dennoch dürfte dieser spezielle Gesichtspunkt für die Ausmessung der Beethovenschen Genialität eher nebenrangig sein, er ist auch für Beethoven nicht einmal spezifisch. Das Leben zweier anderer bedeutender Komponisten, des Tschechen Bedrich Smetana und des Hallenser Liederkomponisten Robert Franz, war von einer ähnlichen Schicksalsentwicklung bestimmt, und auch bei ihnen hat der progrediente Verfall des Gehörsinnes das Niveau ihres Kompositionswerkes nicht negativ beeinflusst. Smetana war fast taub, als er seine berühmten sinfonischen Dichtungen „Die Moldau“ und „Aus meinem Vaterland“ sowie herrliche Streichquartette hervorbrachte. Von Mozart und Schubert ist glaubhaft überliefert, dass sie Musikstücke oder Teile davon am Pult, ohne auditive Kontrolle ausschließlich aus der musikalischen Vorstellung, druckreif niederschrieben. !
Offenbar ist der Prozess der Erfindung von Musik als eines jenseits aller Vergleiche abstrakten Substrats kreativen Kunstschaffens nicht unbedingt angewiesen auf Rückkopplungsmechanismen, vorausgesetzt natürlich, dass überragendes Talent und erfahrene Beherrschung der Kompositionstechnik vorhanden sind. Und das Beispiel Beethoven, der aus dem Isolationszustand des Taubseins heraus sogar einen neuartigen Kompositionsstil, den der musikalischen Romantik, eröffnete, könnte nahe legen, dass die akustische Abgeschiedenheit, das Fernbleiben ablenkender Geräuschafferenzen die Tiefsinnigkeit der musikalischen Meditation sogar in positiver Weise beeinflusst.
Dr. Peter Strümpel, Pistoriusstraße 24 b, 13086 Berlin
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