ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2002Zoledronsäure: Bisphosphonat zum Schutz vor Knochenmetastasen

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Zoledronsäure: Bisphosphonat zum Schutz vor Knochenmetastasen

Dtsch Arztebl 2002; 99(48): A-3282

Leinmüller, Renate

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Zoledronsäure ist als einziges Bisphosphonat jetzt auch zur Prävention von Skelettkomplikationen durch Knochenmetastasen bei verschiedenen soliden Tumoren und beim multiplen Myelom zugelassen. Die Basis für die erweiterte EU-Zulassung bilden klinische Studien an mehr als 3 000 Patienten mit Myelom, Prostata-, Mamma- und Bronchialkarzinom.
Ossäre Metastasen sind bei diesen Tumoren sehr häufig (siehe Tabelle), die Patienten müssen mit den Skelettkomplikationen zum Teil lange leben. Wie Prof. Thomas Wiegel (Berlin) berichtete, sind die Schmerzen durch eine Strahlentherapie bei rund 80 Prozent der Patienten deutlich zu lindern. Bei 60 bis 85 Prozent der Krebspatienten mit Frakturgefahr gelingt eine „Resklerosierung“ nach zwei bis drei Monaten.
Verkürzte Infusionszeit
Nachdem beim multiplen Myelom – hier liegen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung in 80 Prozent bereits Osteolysen und in 15 Prozent Frakturen vor – die Bisphosphonate eine gesicherte Indikation aufweisen, wurde Zoledronsäure (4 mg, Zometa®) gegen den „Goldstandard“ Pamidronat (90 mg) in einer Doppelblindstudie randomisiert geprüft. Bei 350 Patienten wurde dabei eine vergleichbare Effizienz und Sicherheit dokumentiert; als vorteilhaft wertete Dr. Hartmut Goldstein (Heidelberg) die mit 15 versus 90 Minuten deutlich verkürzte Infusionszeit.
Im Gesamtkollektiv, das auch Frauen mit ossärem Mammakarzinom umfasste (n = 766), war die Notwendigkeit, eine Radiatio vorzunehmen, im Zoledronsäure-Kollektiv deutlich verringert. Bei der skelettalen Morbiditätsrate (Ereignisse pro Patientin und Jahr) schnitt Zoledronsäure bei Brustkrebs-Patientinnen ebenfalls besser ab. „Die erste Komplikation wurde deutlich nach hinten verschoben“, sagte Prof. Ingo Diel (Mannheim).
Potenzial nicht ausgereizt
Auch bei Patienten mit Prostatakarzinom und Knochenmetastasen hat sich Zoledronsäure als wirksam erwiesen. Nach Angaben von Prof. Kurt Miller (Berlin) wurde in diesem Kollektiv (n = 643) eine signifikant verlängerte Zeit bis zum Auftreten von Skelettkomplikationen dokumentiert (relative Reduktion um 25 Prozent), pathologische Frakturen waren um 40 Prozent vermindert.
Damit scheint jedoch das Potenzial des Bisphosphonates noch nicht ausgereizt, wie die Referenten bei der Veranstaltung der Firma Novartis Pharma anklingen ließen: Zum multiplen Myelom gibt es zurzeit Studien, bei denen der Wirkstoff in Frühstadien mit dem Ziel eingesetzt wird, den Knochenveränderungen selbst vorzubeugen. Beim Prostatakarzinom wird geprüft, ob sich Zoledronsäure zur Prävention von Knochenmetastasen eignet. In der Gynäkologie ist der Einsatz nicht nur bei therapiebedingter Osteoporose denkbar.
Diel sprach sich aufgrund positiver Berichte – reduzierte ossäre und viszerale Metastasen sowie längere Überlebenszeit – bei der adjuvanten Gabe oraler Bisphosphonate bei Subgruppen von Brustkrebs-Patientinnen mit schlechter Prognose explizit für den palliativen Einsatz bei Hochrisiko-Patientinnen ab der Erstdiagnose aus. Möglicherweise ließen sich hierbei auch synergistische Effekte mit Paclitaxel nutzen, betonte Diel. Ob eine Prävention der ossären Metastasen bei Mammakarzinom gelingt, werden die Ergebnisse einer Studie zeigen, die 2004 abgeschlossen sein soll. Dr. Renate Leinmüller

Pressekonferenz der Novartis Pharma GmbH zur Zulassungserweiterung von Zometa® zur Prävention von Skelettkomplikationen durch Knochenmetastasen in Eltville
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