ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2002zur Telekom: Hickhack mit Happy End

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zur Telekom: Hickhack mit Happy End

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Einstimmig, so heißt es, hat der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom AG den Herrn Kai-Uwe Ricke zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt. Toll, diese Entschlusskraft.
Das hätten die Strippenzieher auch Monate früher haben können. Was war das bloß für ein bizarres Gezerre. Bald jeden Tag wurden irgendwelche Ex-Unternehmenslenker (Middelhoff etwa) oder auch amtierende Vorstände (wie Postchef Zumwinkel) in die Gerüchteküche getragen, um dort so lange gebraten zu werden, bis sie nicht mehr papabile waren, wenn sie nicht schon von alleine abgewunken haben. Der Aktienkurs reagierte darauf wie ein schreckhaftes Huhn, zack rauf, zack runter.
Das Trauerspiel ist also mit Rickes Wahl zu Ende, gottlob. Die brennende Frage ist aber nur, ob die Deutsche Telekom mit diesem Fährmann die Riesenprobleme meistern kann, die durch die enormen Schuldenberge von rund 60 Milliarden Euro auf den Bonnern lasten. Der Aktienkurs reagierte indes auf die Eilmeldung der Ernennung nicht sehr prophetisch (oder doch?), er rührte sich nämlich nicht vom Fleck. Kann aber auch sein, dass die Märkte die Wahl bereits Tage zuvor „eingepreist“ hatten.
Das Negative vorweg. Kai-Uwe Ricke kommt ja aus dem Hause Deutsche Telekom selbst und galt als Kronprinz von Ron Sommer, der bekanntlich zum Teufel gejagt wurde. Als Chef von T-Mobile hat er überdies auch den Kauf von Voicestream mindestens mit zu verantworten, der aus heutiger Sicht viel zu teuer war. Experten sagen, es wurden wenigstens 20 Milliarden US-Dollar zu viel für das schwachbrüstige US-Unternehmen bezahlt. Dass Ricke mit 41 Jahren zu jung sein soll, wie mancherorts behauptet wird, ist allerdings nicht wirklich ein Argument gegen ihn.
Für Kai-Uwe Ricke spricht meines Erachtens durchaus eine Menge. Ganz wichtig: Er kennt den Laden Deutsche Telekom wie seine Westentasche, große Einarbeitungszeiten, wie bei einer externen Lösung nötig, fallen also nicht an. Ricke ist weiß Gott auch kein arroganter Schönredner wie Sommer, sondern gilt als harter Arbeiter mit hoher Akzeptanz bei seinen Leuten. Dem gebürtigen Krefelder werden sehr gute Führungseigenschaften nachgesagt, und er hat auch in der Vergangenheit ziemlich gute Erfolge nachzuweisen, machte er doch T-Mobile zur Nummer eins in Deutschland.
Und: Es kann bei der Telekom nur noch besser werden. Mit einem bilanziellen Befreiungsschlag von gut 30 Milliarden Euro und einem Dividendenausfall fegt der Bonner Konzern die Altlastenplatte ziemlich leer und übergibt die Deutsche Telekom besenrein an Kai-Uwe Ricke. Das dürfte zwar kurzfristig möglicherweise den Aktienkurs belasten, aber auf Dauer der Börsennotiz ziemlich auf die Beine helfen. Happy End mit Ansagen also.
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