ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2002Disease Management: „Win-Win-Situation“

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Disease Management: „Win-Win-Situation“

Rabbata, Samir

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LNSLNS Während Ärzte und Krankenkassen noch über die praktische Umsetzung der neuen Disease-Management-Programme (DMP) diskutieren, stehen die Marketingstrategen der Pharmaunternehmen, der IT-Entwickler und von Dienstleistungsagenturen bereits in den Startlöchern. Sie hoffen auf satte Gewinne, wenn die Behandlungsprogramme für chronisch Kranke flächendeckend laufen.
So spekulieren etwa 70 Prozent der Pharmafirmen auf lukrative Geschäftsfelder im Zuge von DMP. Das ist das Ergebnis einer Studie des Unternehmensberaters Cap Gemini Ernst & Young, für die unter anderem 50 Arzneimittelhersteller zu DMP befragt wurden. Demnach werde sich die Pharmaindustrie in den nächsten Jahren von einem reinen Medikamentenproduzenten zu einem Dienstleistungsanbieter entwickeln. So könnten sich die Arzneimittelhersteller künftig bei Informationsveranstaltungen in Apotheken oder Selbsthilfegruppen um einen direkten Kontakt zum Endverbraucher bemühen, um ihre Produkte auch bei ihnen bekannter zu machen.
Auch Rolf Badenhoop, verantwortlich für die DMP-Studie und Vize-Präsident von Cap Gemini Ernst & Young Life Sciences, kann sich auf die Einführung der neuen Behandlungsprogramme freuen – ist doch seine Unternehmensberatung nach eigenen Angaben selbst im DMP-Markt aktiv. Da verwundert es nicht, dass die Präsentation der Befragungsergebnisse vergangene Woche in Berlin zu einer Werbeveranstaltung für DMP geriet.
Würden die DMP flächendekkend umgesetzt, ergebe sich eine „Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten – auch für den Patienten, jubilierte der Unternehmensberater. Die Lebensqualität des Erkrankten werde verbessert, und Komplikationen könnten leichter vermieden werden. Dabei stehe der Patient „selbstverständlich im Mittelpunkt der Behandlung“.
Ein von den Unternehmensberatern entworfenes Schaubild, das die Zusammenarbeit der Akteure im DMP-Prozess verdeutlichen sollte, verriet jedoch anderes: Der Patient findet sich darin an der Peripherie wieder. Zwischen dem Erkrankten und seinem Arzt prangt im Zentrum der Grafik ein Computer, der beide per Internet miteinander verbindet. Schöne neue DMP-Welt!
Samir Rabbata
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