ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2002Telemed 2002: Hoher Stellenwert der Gesundheitstelematik

POLITIK

Telemed 2002: Hoher Stellenwert der Gesundheitstelematik

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): A-3304 / B-2783 / C-2593

Krüger-Brand, Heike E.

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Ausschnitt aus dem Aktionsplan eEurope 2005, einzusehen unter www.cio.gv.at/international/actionplan.html
Ausschnitt aus dem Aktionsplan eEurope 2005, einzusehen unter www.cio.gv.at/international/actionplan.html
Die Bundesregierung will die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und den Aufbau einer einheitlichen Tele­ma­tik­infra­struk­tur zügig vorantreiben.

Die Gesundheitstelematik hat eine gesellschaftspolitische Dimension, weil sie nicht nur technische Fragen aufwirft, sondern verschiedenste gesellschaftliche Gruppen betrifft“, betonte Dr. Stefan Bales vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS), Bonn, bei der 7. Fortbildungsveranstaltung und Arbeitstagung Telemed in Berlin. Beim Aufbau einer einheitlichen Telematikplattform für das Gesundheitswesen habe die Bundesregierung daher die Moderatorenrolle übernommen. Die Gesundheitskarte, deren Einführung in dieser Legislaturperiode im Koalitionsvertrag zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen ausdrücklich festgeschrieben sei, spiele dabei eine zentrale Rolle. Die nächste Generation der Krankenversichertenkarte soll den europäischen Not­fall­daten­satz enthalten, Identifikationszwecken dienen und Verweisfunktion, beispielsweise auf die Arzneimitteldokumentation, haben. Die Speicherung der Daten bleibt für den Patienten freiwillig. Als Schnittstelle zur elektronischen Patientenakte und zum elektronischen Rezept soll sie die Selbstbestimmung und die Datenhoheit des Patienten unterstützen und als Einstiegsszenario für die verzahnte Versorgung dienen. Nach Ansicht von Bales ist sie ein „Business-Case“ erster Güte, weil sich die Kosten einer flächendeckenden Einführung – die nach einem Gutachten von Debold & Lux, Hamburg, bei rund 700 Millionen Euro liegen – bereits nach ein bis zwei Jahren amortisieren werden und danach erhebliche Einsparungen zu erwarten seien.
Um eine möglichst hohe Akzeptanz der Gesundheitskarte und anderer Telematikanwendungen zu erreichen, wurde beim BMGS eine Steuerungsgruppe eingerichtet, in der alle gesellschaftlichen Gruppierungen, die sich mit der Einführung und Weiterentwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen befassen, vertreten sind. Sie soll eine nationale Strategie für die Einführung von Gesundheitstelematik-Anwendungen, die Erarbeitung von Rahmenbedingungen für eine Telematikarchitektur und Empfehlungen für den Aufbau einer Tele­ma­tik­infra­struk­tur erarbeiten.
Blick ins Ausland
Dabei müssen auch internationale Entwicklungen berücksichtigt werden, zum Beispiel die Vorarbeiten für die europäische Krankenversichertenkarte und die elektronischen Heilberufsausweise, der internationale Standard für Notfalldaten, der voraussichtlich 2003 beschlossen wird, sowie die Vorstellungen des Aktionsplans eEurope 2005. Als Zeitrahmen für die Einführung der Gesundheitskarte nannte Bales das Jahr 2003 für die Konzeption und Vorbereitungsphase, 2004 für die Modellprojektphase und 2005 für die Evaluation und die flächendeckende Ausgabe.
Der Blick ins Ausland kann hierbei hilfreich sein, wie Andreas Lux, Hamburg, am Beispiel von Österreich verdeutlichte. Dort ist die 2001 ausgegebene Sozialversichertenkarte mit den Optionen einer „Bürgerkarte“ versehen. Die Chipkarten werden bei der Personalisierung mit asymmetrischen Schlüsselpaaren für Verschlüsselung, Authentifikation und elektronischer Signatur ausgestattet. Diese Schlüssel werden allerdings noch nicht genutzt, sondern der Kartenhalter hat mit der so vorbereiteten Karte die Möglichkeit, sich zu einem beliebigen Zeitpunkt und bei einem beliebigen Zertifizierungsdienstanbieter ein Zertifikat ausstellen zu lassen, das auf der Karte gespeichert und in einem öffentlichen Verzeichnisdienst verwaltet wird. Der Nutzer zahlt für die Inanspruchnahme solcher Zertifikatsverwaltungsdienste selbst. Die Karte ist auf diese Weise potenziell für künftige elektronische Kommunikationsanwendungen, zum Beispiel für die Verwaltung einer elektronischen Patientenakte und für die Abwicklung von Transaktionen in der öffentlichen Verwaltung (E-Government), gerüstet.
Nach Ansicht von Lux ist dieser Ansatz auch für Deutschland erwägenswert: Die Chipkarte könnte hier – ebenfalls mit asymmetrischen Schlüsselpaaren ausgestattet und mit dem Signaturschlüsselzertifikat einer fortgeschrittenen Signatur nach Signaturgesetz versehen – als Krankenversichertenkarte an die Versicherten ausgegeben werden. Registrierung und Verwaltung der Zertifikate lägen bei der ausgebenden Stelle, das heißt bei den Kassen im Sinn eines internen Verwaltungsakts. Eine umfassende Public-Key-Infrastruktur, wie sie die qualifizierte Signatur – nach dem Signaturgesetz die höchste technische und organisatorische Sicherheitsstufe – erfordert, müsste nicht sofort umgesetzt werden. Der Vorteil: Das Gesundheitssystem wäre nicht mit den hohen Kosten für die Zertifikatsverwaltung durch so genannte Trusted-Third-Party-Dienste belastet. Die Karte mit asymmetrischer Kryptographie könnte hingegen zur Authentifikation und zum vertraulichen Datenaustausch für viele Anwendungen in der elektronischen Kommunikation sofort genutzt werden. Ein „Upgrade“ hin zur qualifizierten Signatur, die für bestimmte sensible Anwendungen erforderlich wäre, ließe sich zu einem beliebigen Zeitpunkt nachholen.
Voll elektronisch
Ein Beispiel für die erfolgreiche intersektorale elektronische Kommunikation ist das DALE-UV-Projekt (www.dale-uv.de) der Berufsgenossenschaften. Diese haben eine sichere und verbindliche elektronische Lösung für den Datenaustausch zwischen Leistungserbringern und Unfallversicherungsträgern entwickelt. Im Projekt sind inzwischen 3 600 Vertragsärzte (D-Ärzte) eingebunden und übermitteln Arztberichte und ärztliche Abrechnungen elektronisch an die zuständigen Berufsgenossenschaften. Das System wird einheitlich für die gesamte gesetzliche Unfallversicherung, das heißt für die gewerblichen und die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sowie die Unfallkassen der öffentlichen Hand, eingeführt.
Heike E. Krüger-Brand
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