SUPPLEMENT: Reisemagazin

Norwegen: Zur heimlichen Hauptstadt

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): [6]

Junker, Uwe

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Fotos (2): Uwe Junker
Fotos (2): Uwe Junker
Ein Frachter lädt für Bremen, ein anderer löscht Waren aus Schweden, die Routen von Kreuzfahrtschiffen, wie der Costa Marina auf ihrer Rückfahrt von Island und der Arosa, kreuzen sich hier, am Abend nimmt eines der Hurtigruten-Schiffe beladen mit Frachtgütern und Touristen Kurs gen Norden. Etwa zwei Dutzend Schiffe, die in Bergen täglich an- oder ablegen, verzeichnet die Tageszeitung „Bergen Tidense“ in ihrer fürs Lokalgeschehen wichtigsten Rubrik „Havnen“ (im Hafen).
Schon zu Zeiten der Hanse war Bergen unumstrittener „Nabel“ der norwegischen Welt und neben Novgorod „der vierte große Comtoir, welcher nach und nach in eine solche Hochachtung kam, dass fast niemand ein rechtschaffener Kaufmann sein konnte, der nicht zu Bergen in Norwegen seine Lebensjahre ausgestanden hatte.“ (Johannes Hübner, Vollständige Geographie von 1731). Den Touristen präsentiert sich die gut erhaltene Altstadt heute eher als beschaulich. Es fällt schwer, sich die Alltagshektik früherer Zeiten vorzustellen, als in dieser mit unschätzbaren Werten vollgestopften Holzstadt 7 000 Menschen lebten und arbeiteten. Wegen der ständigen Feuergefahr unterlag das tägliche Miteinander einem strengen Reglement, das wir im Halbdunkel der „Schoetstue“, des
kleinen Hanse-Versammlungshauses, mühsam entziffern. In unmittelbarer Nachbarschaft erhebt sich trutzig das zentrale Gotteshaus der Hansezeit, die Marienkirche aus dem 12. Jahrhundert.
Auf dem Fischmarkt entdeckt man ungewöhnliche Meerestiere, wie diese Riesenkrabbe Foto: Eberhard Hahne
Auf dem Fischmarkt entdeckt man ungewöhnliche Meerestiere, wie diese Riesenkrabbe Foto: Eberhard Hahne
Der Besuch des Fischmarktes direkt hinter dem Hafen mit seinem überquellenden Angebot an edlen Meeresfrüchten gehört ebenso zum touristischen Programm wie das Erlebnis eines kräftigen Regenschauers in dieser regenreichsten Stadt Europas. Doch wir haben Glück: Regen und Nebel verziehen sich, und wir fahren mit der Fløyen-Drahtseilbahn auf den gleichnamigen Gipfel, der uns einen Rundblick auf Hafen und Altstadt beschert.
Von Flåm aus starten wir am nächsten Morgen zu einer Zugfahrt, die uns in 50 Minuten vom Meeresspiegelniveau durch filmkulissenreife Landschaft bis
Norwegen: die „Hopperstad“- Stabkirche
Norwegen: die „Hopperstad“- Stabkirche
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auf 900 Meter Höhe bringt. Täler, in die sich tosende Wasserfälle stürzen, schroffe Felswände mit schneebedeckten Gipfeln – die Fahrt bietet die ganze Fülle norwegischer Landschaftsimpressionen im Schnelldurchgang. Im letzten Streckenabschnitt vor der Endstation Myrdal schraubt sich der Zug achterbahnähnlich auf drei übereinander liegenden Schleifen durch den Fels nach oben. Die Lokomotive wurde eigens für diese Strecke konstruiert und verfügt über fünf verschiedene Bremssysteme, von denen jedes einzelne imstande ist, den Zug allein zu stoppen.
Vom Städtchen Voss aus führt der Weg an dem imposanten „Tvinnefossen“-(Zwillings-)Wasserfällen, Bergseen und Hochalmen vorbei zur Spitze des „Vikafjell“-Passes. Oben angekommen eröffnet sich ein Panoramablick: Unter uns liegen das Dorf Vik und der mächtige „Sognefjord“, der mit 230 Kilometern längste Fjord Norwegens. Kurz vor Vik halten wir bei der kleinen, kunstvoll aus Holz gearbeiteten Hopperstad-Stabkirche aus dem 12. Jahrhundert, die im Originalzustand erhalten ist. Umgeben von Grabsteinen, über die mächtige Bäume wachen, den weiter unten im Tal liegenden Fjord immer im Blick, ist der Ort ein stilles Idyll. Uwe Junker

Reise-tipps
Informationen für individuelles Reisen: Norwegisches Fremdenverkehrsamt, Postfach 11 33 17, 20433 Hamburg, Telefon: 01 80/ 5 00 15 48; Fax: 0 40/22 71 08 15, Internet: www.visitnorway.com
Organisierte Kreuzfahrten mit Landausflügen: zum Beispiel eine Woche Südnorwegen ab/bis Kiel mit der Costa Marina ab 1 250 Euro einschließlich aller Mahlzeiten, ohne Landausflüge, hohe Ermäßigung für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr.
Costa Kreuzfahrten GmbH, Rüsterstraße 1, 60325 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/97 20 08-0; Fax: 0 69/97 20 08-1 28, Internet: www. costakreuzfahrten.de

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