Supplement: Reisemagazin

Gran Canaria: Die Perle der Kanaren

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): [8]

Amann, Erika

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Fotos: Harald Clade
Fotos: Harald Clade
Mit der ersten Morgensonne starten die Frühsportler zum alten Leuchtturm „el Faro“, Baujahr 1886, an der Insel-Südspitze. Sechs Kilometer zieht sich der Strandparcours am weiten, welligen Dünenmeer entlang. Von der aus dem Sand gewachsenen größten Feriencity Gran Canarias, der Playa del Inglés, mit mondänen Shopping- und Amüsiervierteln bis hin zur grünen Palmenoase von Maspalomas. Hier sind Spitzenhotels angesiedelt wie das „Riu Grand Palace“ und das eben völlig renovierte „Palm Beach“, die Perle der Seaside-Hotels mit seiner „Orangerie“, einem gefragten Gourmetrestaurant. Hinter dem Ort sonnen sich Nudisten in den weichen Sandmulden in einer offiziellen FKK-Zone. Strandläufer schätzen es, ihren Durst auf dem Rückweg in den Strandkneipen an der Playa nicht nur mit San Miguel, sondern mit einem frisch gezapften Köpi zu löschen. Der Golfstrom und die Sonne aus dem nahen Afrika, gefiltert von Passatwolken, die im Inselinneren in den Bergen abregnen, verwöhnen die „glückseligen Inseln“ das ganze Jahr über mit Frühlingswärme und Badewetter.
Im Südwesten: Puerto Rico
Weiter im Südwesten entstand die weiße Retorten-Siedlung Puerto Rico als bester Standort für Wassersportler zum Segeln, Surfen und Tauchen, ebenso zum Angeln auf hoher See nach kapitalen Bonitos, Thun- und Schwertfischen. Erfolgreiche Angler erzielten auf Meisterschaften bereits 34 Weltrekorde. Puerto Ricos Badebucht ist mit importiertem gelbweißem Sand aufgeschüttet und relativ klein. Dafür besitzt die Inselmetropole Las Palmas im Norden mitten in der City den berühmten goldenen Las Canteras-Strand mit 3,8 km Länge. Doch im Winter bekommt er oft nicht so viel Sonnenschein wie die Südstrände. Babylonisches Sprachengewirr herrscht in ihrem Welthafen am Atlantik, der reizvoll auf dem Isthmus von Isleta liegt, überragt von der mittelalterlichen Festung Castillo de la Luz. Noch immer gibt es anmutige Altstadtwinkel, etwa in Vegueta mit der vierhundertjährigen Kathedrale, dem „Orangenhof des Diözesanmuseums“ und der Casa Colon (Kolumbushaus). Las Palmas empfiehlt sich zum Einkaufen, vor allem die Avenida de Mesa y Lopez, die dicht am Park von Santa Catalina vorbeiführt.
Vor allem ihrer prächtigen Strände wegen beherbergt Gran Canaria mit Abstand die meisten Inselurlauber. Wer sich allein mit dem Strand begnügt, lernt den Minikontinent Gran Canaria, der Afrikanisches, Europäisches und Amerikanisches in sich vereint, gar nicht richtig kennen.
Eine „Jeep-Safari“ erschließt die bizarre Bergwelt, die nicht nur jeden Wildwest-Filmemacher in ihren Bann schlug. Serpentinen winden sich von Maspalomas oder Las Palmas aus hinauf bis zu den Gipfeln von fast 2 000 Metern Höhe. Felsen, Bergkämme, von Rillen durchzogen und durchlöchert, und dunkle Vulkanklippen säumen die Sträßchen und engen Haarnadelkurven. Gran Canaria (1 500 qkm) ist im Übrigen durch gut ausgebaute Straßen erschlossen. Eben noch eingeklemmt zwischen Felsmassiven, wird hinter der nächsten Biegung der Blick auf das Meer frei. Durch tief eingeschnittene, sonnendurchglühte Barrancos, in denen neben Mandel- und Feigenbäumen Papayas und Kaffee wachsen,
Zwischen Hafen und Strand: Puerto de Mogán, das „Klein-Venedig“ Gran Canarias
Zwischen Hafen und Strand: Puerto de Mogán, das „Klein-Venedig“ Gran Canarias
geht es hinauf zum Roque Nublo (1 862 Meter), dem Kanarischen Nebelhorn, und auf den mit 1 910 Metern höchsten Vulkangipfel Pozo de la Nieve (Schneebrunnen). Je weiter man nach Norden kommt, umso grüner wird die Landschaft. Die südliche Wüstenvegetation mit imposanten Kandelaber-Kakteen, stacheligen Opuntien, Agaven und Tomaten am Tropf unter schützenden Plastikzelten wechselt ab mit Pinienwäldern und Palmenhainen, die sich über Gipfel ziehen. Weihnachtssterne und Bougainvilleen
wuchern um die bescheidenen, weißen Häuserkuben in einsamen Bergdörfern. Im Tal von Guayadeque sind Stollen in den Berg gegraben Sie dienten früher als Versteck vor Piraten.
„Queso de Flor“
Aus Santa Maria de Guia stammt der kanarische „Queso de Flor“, der Blumenkäse, der aus Schafsmilch und blauen Disteln hergestellt wird. Orangen- und Zitronenhaine umgeben Agaete, eines der ältesten Inseldörfer mit dem hochverehrten Bild der „Jungfrau vom Schnee“. Avocados und Mangos wachsen in der Schlucht hinter dem kleinen Fischerdorf Mogán im Südwesten, hinter dessen dunklem Strand übereinander getürmte Ferienquartiere auf Gäste warten, die gern auf Tuchfühlung mit Einheimischen leben. Nicht nur Justus Frantz, Pianist und kultureller Tausendsassa, der die Aufforstung mit kanarischen Palmen im Barranco de los Palmitos ins Leben rief, lebt in einer Finca in den Bergen oberhalb von Las Palmas. Ruhige Finca-Quartiere in Canario-Dörfern wie in Tejeda mit Blick auf den Roque Nublo oder am Rande des Barranco de Moya, aber auch Komfortzimmer in alten Landhäusern, beispielsweise im grünen Tal von Tenteniguada, werden inzwischen in Pauschalprogrammen offeriert. Da steht der Besuch in Teror (wo das Mineralwasser „Teror“ produziert wird), einem noch
typisch kanarischem Städtchen mit holzgeschnitzten Balkonen und Adelspalästen ganz vorne an – ebenso wie die Caldera de Bandama, ein Vulkankrater, auf dessen Grund einige Bauernhöfe stehen.
Tagelang kann man der spannenden Inselgeschichte nachspüren, etwa in Telde, einst Hauptstadt eines der beiden Guanchen-Reiche, bevor die Spanier die Ureinwohner besiegten. Im „Berg der vier Türen“ thronten ihre Häuptlinge in einer Höhle auf großen Steinen bei ihren Ratssitzungen. Künstlich angelegte und natürliche Höhlen wurden als Wohnungen
genutzt. Besonders eindrucksvoll ist das Höhlenkloster von Cenobio de Valeron. In seinen 300 Höhlen sollen die dem religiösen Kult geweihten Ehrenjungfrauen der Guanchen residiert haben.
Im nahen Gáldar steht nicht nur eine Kirche mit Heiligenbildern aus dem 16. Jahrhundert, sondern auch die „Pila verde“. Nach der Legende handelt es sich um ein Taufbecken der Ureinwohner. In den Innenhof des Rathauses lockt ein botanischer Ureinwohner: ein Drachenbaum, der über tausend Jahre alt sein soll und damit als einer der ältesten im Archipel gilt. Sogar einen der Guanchen-Bräuche haben die Canarios in ihre christliche Kultur übernommen. Jedes Jahr im August holen sie in den Bergen Kiefernzweige, tauchen sie ins Meer und bitten um Regen wie einst die Ureinwohner. Erika Amann

Reise-Tipps
Angebote: LTU-Flüge nach Las Palmas ab 379 Euro. HP-Woche mit Flug ab Düsseldorf ab 1 079 bis 2 269 Euro (TUI); Dorf Tejeda, Ü-Woche Finca Juan Ramon im Doppelzimmer mit Flug/Leihwagen pro Person ab 789 bis 889 Euro; Tenteniguada ÜF-Woche Landhaus mit Flug/Leihwagen pro Person ab 776 bis 971 Euro (Jahn Reisen). 14 Tage HP im Viersterne-Plus-Hotel Maspalomas Palm Beach der Seaside Hotelgruppe ab 1 311 Euro (Neckermann), das Grand Hotel „Residencia“ in Maspalomas (fünf Sterne).
Literatur: Michael Reimer, Wolfgang Taschner: Gran Canaria, Reihe „abenteuer und reisen“, Mairs Geographischer Verlag, 3. Auflage, München 2002, 224 Seiten, 14,95 Euro
Zwischen Agüimes und Ingenio: die Guayadeque- Schlucht mit bewohnten Höhlen
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