ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2002Telemedizin: Innovativ, effizient, patientenfreundlich

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Telemedizin: Innovativ, effizient, patientenfreundlich

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): A-3311 / B-2790 / C-2599

Krüger-Brand, Heike E.

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Begutachtung und Diskussion auffälliger Befunde am Bildschirm Foto: Universität Magdeburg
Begutachtung und Diskussion auffälliger Befunde am Bildschirm
Foto: Universität Magdeburg
Das Modellprojekt „Teledermatologie“ in Sachsen-Anhalt ist nach rund zwei Jahren Laufzeit erfolgreich abgeschlossen.

Bei der steigenden Zahl von bösartigen Neubildungen gerade in der Dermatologie sind die im Projekt gewonnenen Ergebnisse sehr ermutigend, um den wachsenden Bedarf an Diagnostik zu bewältigen“, erklärte Prof. Dr. med. Harald Gollnick, Direktor der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Magdeburg, die im Projekt „Teledermatologie“ die Rolle des Kompetenzzentrums übernommen hatte (Informationen unter www.inforegio.de). Das mit rund fünf Millionen Euro geförderte Pilotprojekt war 1999 als gemeinsame Multimedia-Initiative des Landes Sachsen-Anhalt und der Deutschen Telekom gestartet.
Diagnose im Heimatort
Ziel war der Aufbau eines regionalen Telematikverbundnetzes, um Patienten mit unklaren Hauterkrankungen, die nicht in der Nähe eines Kompetenzzentrums leben, eine Diagnose in ihrem Heimatort zu ermöglichen. Gleichzeitig ging es darum, den qualitätsverbessernden Aspekt der Teledermatologie hinsichtlich der technischen Qualität der Telediagnostik sowie gesundheitsökonomische Aspekte zu evaluieren. Neben der Universitätsklinik waren zwei dermatologische Facharztpraxen beteiligt, die per Videokonferenzsystem Patienten vorstellen und eine Expertenmeinung einholen konnten.
Nach Ansicht von Gollwitz wird künftig ein solches Teledermatologie-System als ein „Netzwerk zwischen Kompetenzzentrum und niedergelassenem Facharzt sowie zwischen Fachärzten untereinander“ funktionieren. Erfahrene Fachärzte könnten dabei im „Online-Bereitschaftsdienst“ mit festgelegten Zuschaltzeiten für Anfragen niedergelassener Dermatologen zur Verfügung stehen. Diese dokumentieren mittels digitaler Fotografie und Videoaufzeichnung auffällige Hautbefunde und übermitteln diese an das Kompetenzzentrum, um sie im Rahmen von Videokonferenzen zu diskutieren. Vor allem in räumlich entlegenen Gebieten lassen sich zeit- und kostenaufwendige Fahr- und Konsultationszeiten für die Patienten einsparen. Darüber hinaus wird die Zeit bis zur Diagnosestellung verkürzt. Für Flächenländer sei das System „unbedingt empfehlenswert“, meinte Prof. Gollnick. So seien die teledermatologischen Konferenzen hilfreich gewesen, um über die Notwendigkeit einer Operation und den Operationszeitpunkt zu entscheiden sowie darüber, ob der Patient ein Kompetenzzentrum aufsuchen sollte. Auf der differenzialdiagnostischen Ebene habe außerdem eine hohe Korrelation von Bildübertragungsqualität und Diagnose sowie nachfolgender histologischer Differenzierung des OP-Exzidates hergestellt werden können.
Evaluation
Positiv fällt auch das wissenschaftliche Begleitgutachten aus, das die Krankenkassenverbände des Landes und die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt beim Forschungs- und Entwicklungsinstitut für das Sozial- und Gesundheitswesen Sachsen-Anhalt (FEISA) in Auftrag gegeben haben. Von den 154 Patienten, die während der Projektlaufzeit telemedizinisch untersucht wurden, wurden 126 operiert. Nur 16,2 Prozent mussten dazu in die Universitätsklinik nach Magdeburg fahren. Nach Angaben der beiden am Projekt beteiligten niedergelassenen Fachärzte wären ohne die Telediagnostik 76 Prozent dorthin überwiesen worden.
Fachärztlicher Austausch
In den Arztpraxen war kein zusätzlicher Personalaufwand mit der telemedizinischen Diagnostik verbunden. Zusätzliche Kosten von rund
8 000 Euro jährlich entstanden vor allem durch die erforderliche technische Ausstattung (Hard- und Software, medizintechnisches Gerät) und die Online-Verbindungen. Die beteiligten niedergelassenen Fachärzte schätzten vor allem die fachärztliche Diskussion bei komplizierten und unklaren Krankheitsfällen, die zur Beschleunigung einer gesicherten und präzisen Befundung beigetragen haben, sowie die guten Dokumentations- und Archivierungsmöglichkeiten. Die Betreuung der Patienten im ambulanten fachärztlichen Bereich – so das Fazit – werde dadurch qualitativ verbessert.
Vor allem aber profitieren die Patienten von den telemedizinischen Anwendungen: Sie sparen Zeit, wenn sie in der Facharztpraxis diagnostiziert und behandelt werden. Gleichzeitig erhalten sie mehr Sicherheit und fühlen sich sorgfältiger betreut, sodass die Nutzung der Teledermatologie letztlich auch das Arzt-Patient-Vertrauensverhältnis fördert. Alle Patienten haben daher auch die Untersuchungsmöglichkeit mittels Teledermatologie wahrgenommen und standen dem Projekt „ausnahmslos positiv“ gegenüber. Heike E. Krüger-Brand
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