ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 3/2002Aspen/USA: Im Western-Stil über die Pisten

Supplement: Reisemagazin

Aspen/USA: Im Western-Stil über die Pisten

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): [14]

Sick, Hans-Peter

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Foto: Hans-Peter Sick
Foto: Hans-Peter Sick
Das mit der Ausbeutung der Silber- und Kupferminen verdiente große Geld ist längst ausgegeben, die Ute-Indianer wurden inzwischen in die Wüste geschickt. Nur noch rote Backsteinhäuser halten zusammen mit kleinen Herrenhäusern im viktorianischen Stil (und die heute als Hotels
genutzt werden) die Erinnerung an den „Edelmetallrausch“ im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufrecht. Heute wird das „big money“ in Hollywood verdient. Ausgegeben wird es aber immer noch im kleinen „Nest“ Aspen im US-Bundesstaat Colorado. Lässiger Western-Stil, gepaart mit ungezwungener Lebensfreude, sorgen für eine gemütliche Atmosphäre in einem der beliebtesten (und besten) Skiorte der USA.
Nobel-Boutiquen, Galerien, edle Restaurants und Bars bilden den Laufsteg für die „Highsociety“, die zumeist hinter dicken Ski- und Sonnenbrillen durch die Straße flaniert oder im exklusiven Klub, verborgen hinter einer unauffälligen Holztür im „Sundeck-Restaurant“ in 3 678 Metern Höhe am Ajax über Aspen beim Après-Ski den Sonnenuntergang hinter den Rocky Mountains genießt.
Aber nicht nur „Promis“ haben Aspen auf die Landkarte der Skigebiete gebracht. Es sind die herrlichen, weitläufigen Pisten mit Pulverschnee, oft auch als „Champagner Powder“ bezeichnet. Ob am Ajax Mountain, direkt in Aspen, oder den nur wenige Meilen entfernten Skigebieten von Buttermilk (vor allem für Familien und Snowboarder geeignet), Highlands oder im grandiosen Snowmass. Dort weiß man bei mehr als 220 Pistenkilometern auf mehr als 80 verschiedenen Routen gar nicht mehr, welche Abfahrt man zuerst wählen soll.
Fast neun Kilometer lang ist die weiteste Abfahrt. Zwischen dichten Nadelwäldern führen immer wieder Pisten nach Maß ins Tal. Selbst am frühen Nachmittag tummeln sich nur wenige Skifahrer auf den bestens präparierten Schneehängen im Schatten der Viertausender von Pyramid Peak, Maroon Bells und Snowmass Mountain. „Mit 21 Liften verteilen wir die Leute ziemlich großzügig und weitläufig“, sagt Dieter. Der 68-Jährige wanderte Mitte der Sechzigerjahre aus Hessen aus und gehörte zu den Pionieren bei der Erschließung des Skigebietes.
1 000 Meter Höhenunterschied
Knapp 1 000 Meter Höhenunterschied sind es vom Ajax Mountain bis hinunter nach Aspen. Die verschiedenen Pisten haben alle Schwierigkeits-
grade. Breite, autobahnähnliche Abfahrten sind hier (wie in allen anderen Skigebieten auch) ebenso zu finden wie Buckelpisten oder „Double Diamond“-Abfahrten im Gelände oder durch Tiefschnee. Während auf „Ruthie’s Run“ die weltbesten Skifahrerinnen ihre Weltcup-Rennen austragen, liebt das deutsche Abfahrts-Ass Max Rauffer vor allem die steilen Buckel voller Pulverschnee auf der „Aztec“-Piste. Kein Wunder also, dass alljährlich im Dezember ein 24-Stunden-Rennen auf Skiern in Aspen stattfindet. Ein Zwei-Personen-Team rast dabei abwechselnd von Ajax Mountain ins Tal. Ruhepausen gibt es nur bei der vierzehnminütigen Fahrt mit der „Silver Queen Gondola“ zum Startplatz in luftiger Höhe.
Jeder Tag: neue Abfahrten
Locker, lässig ist der Umgang am Lift und auf den Skipisten, an deren „Service-Stationen“ Getränke (zum Beispiel warmer Cider) und manchmal sogar Energy-Riegel verteilt werden. Überall freundliche Helfer und Skilehrer, wie zum Beispiel Judy, die aus New York kommt und im Sommer amerikanische Touristen über den „Jakobsweg“ im Norden Spaniens führt. „Schaut euch das Skigebiet hier an, ihr könnt jeden Tag neue Abfahrten ausprobieren, da kommt keine Langeweile auf; dazu jede Menge Sonne tanken“, sagt sie und stürzt sich auf die steilen Pisten von „Powderhorn“ und „Bearclaw“ von Snowmass.
Zu den „Männern der ersten Stunde“ in Aspen gehört auch Klaus Obermeyer aus Oberstaufen. Vor einem halben Jahrhundert wanderte er dorthin aus, baute dort ein kleines Imperium mit Firmen (unter anderem Skibekleidung) auf und ist heute die „graue Eminenz“ des Ortes. Mit seinen mehr als 80 Jahren hat er jede Menge an Geschichten über Aspen parat, macht vor allem der Damenwelt den Hof und fegt mit Leidenschaft über die Hänge – so schnell, dass ihm kaum jemand folgen kann.
Bei wilden Abfahrten bleibt kaum ein Blick für die Landschaft. Doch der lohnt sich.
Am Horizont sind die Berge von Steamboat Springs zu erkennen, einem weiteren Top-Skigebiet in Colorado neben Vail, Beckenridge, Keystone oder Crested Butte. Bis zu 100 Kilometer und mehr reicht die Fernsicht, ohne alpenländischen Fön mit Kopfschmerzen. Dabei kann man Lust auf mehr grenzenloses Skivergnügen bekommen. Zudem hat es schon einen Hauch von Snobismus, in den USA über die Skihänge zu wedeln. Hans-Peter Sick

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Reise-tipps
Auskunft: Aspen Visitor Centre, P. O. Box 1248, Aspen, Colorado, 81612, Telefon: 0 01/ 9 70/9 25/12 20, Fax: 0 01/9 70/9 20/07 71 oder www.aspensnowmass.com
Anreise: Lufthansa und United Airlines fliegen von Frankfurt/Main nach
Denver. Von dort kann man mit der United Airlines-Tochter „United Express“ direkt nach Aspen fliegen. Mit dem Auto sind es von Denver rund vier Stunden bis Aspen.
Service: Zwischen den einzelnen Skigebieten verkehrt zwischen 8 und
16.45 Uhr ein kostenfreier Shuttle-Service, danach bis 2.30 Uhr für drei
US-Dollar. Ein nettes kleines, familiär geführtes Hotel im viktorianischen Stil mit einem exzellenten Restaurant mit großer Weinkarte ist das „Sardy House“, Telefon: 0 01-970-9 20-25 25, Fax: 0 01-9 70-9 20-44 78, E-Mail: hotlsard@rof.net oder www.sardyhouse.com
Ausrüstung: Skiausrüstung kann vor Ort gemietet werden (ab 25 US-Dollar pro Tag). Bei zweimal 32 Kilogramm Freigepäck pro Person können Ski und Schuhe ohne Aufpreis im Flugzeug mitgenommen werden.

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