ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 3/2002St. Lucia/Karibik: Im Schatten der Pitons

Supplement: Reisemagazin

St. Lucia/Karibik: Im Schatten der Pitons

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): [16]

Unverzagt, Gesine

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Fotos: Gesine Unverzagt
Fotos: Gesine Unverzagt
Come and feel the heartbeat of the island“ – „komm und fühle den Herzschlag der Insel.“ In riesigen Lettern weist ein Schild am Straßenrand den Weg zum einzigen „Drive-in-Volcano“ der Karibik. An eine Mondlandschaft erinnern die Schwefelquellen, überall brodelt und blubbert es. Aus den Schlammlöchern quillt gelber, stinkender Dampf. „Ungefähr 300 000 Jahre alt ist der Vulkan, und die Löcher sind 150 Grad Celsius heiß“, erklärt die hübsche Führerin Grace.
Die Insel St. Lucia ist vulkanischen Ursprungs, ebenso das Wahrzeichen der Insel, die beiden Pitons im Südwesten der Insel, die St. Lucia zur schönsten Insel der Kleinen Antillen, der Inseln über dem Wind, machen.
Blick auf die Kegelberge
In einem der exklusiven Hotels mit bestem Blick auf die Pitons die Ferien zu verbringen, ist beliebt. Im Hotel Anse Chastanet hat man sowohl den Blick auf die Kegelberge als auch auf die Karibische See. Hoch oben genießen wir vom Zimmer aus den Ausblick. Die Zimmer ohne Fenster sind großzügig, eine ständige, milde Brise weht durch den Raum und ersetzt die Aircondition. Der Blick auf das türkisblaue Wasser und den rosaroten Himmel bei Sonnenuntergang ersetzt den Fernseher.
Unterhalb des Hotels liegt die ehemalige Hauptstadt aus französischer Zeit, Soufrière. Der kleine Ort ist ein typisch karibisches Kolonialstädtchen mit bunten, meist pastellfarbenen Holzhäusern, beschattet von Königspalmen. Auf den luftigen Veranden hocken die Bewohner und beobachten den Lauf der Dinge. Am Samstag ist Markt, dann lockt der eher beschauliche Ort Besucher an. Entlang der Bucht haben Marktfrauen ihre Holztische aufgestellt, worauf sie ihre Ware ausgebreitet haben. Neben kitschigen Souvenirs wird exotisches Gemüse und tropisches Obst angeboten. Fischer bringen frischen Fisch in Schubkarren direkt von ihren bunten Holzbooten zum Markt. Lauthals wird angepriesen, gefeilscht, geschimpft und gelacht.
Wer seine Ferien auf einer alten Zuckerrohrplantage verbringen will, kann dies bei Uta Lawaetz tun. Die Deutsche lebt schon seit vielen Jahren auf St. Lucia, auf der Plantage der Familie ihres Mannes. Teile ihres Anwesens vermietet Uta an Feriengäste. Wer es familiär liebt und schon immer ein bisschen „Vom Winde verweht“-Atmosphäre schnuppern wollte, für den ist „Balenbouche Estate“ ideal. Uns empfängt die Hausherrin zum Tee und selbstgebackenen Topfkuchen auf ihrer Veranda.
Im äußersten Nordwesten liegt der zivilisiertere Teil der Insel mit zahlreichen Hotels, Strandbuchten, dem Yachthafen von Rodney Bay und der Hauptstadt Castries. Nur 54 000 Einwohner hat die Metropole einer der kleinsten Staaten der Welt, die 616 Quadratmeter misst. Im Norden, wo damals die Engländer residierten, wenn sie gerade einmal wieder die Franzosen vertrieben hatten, befindet sich der heutige Gouverneurssitz. Vierzehn Mal wechselte St. Lucia zwischen englischer und französischer Besatzung, bevor es 1979 zur Lossagung von den Engländern kam.
Das Jahr über ist Gros Islet ein verschlafener kleiner Ort an der Nordwestküste. Heute ist jedoch Freitag, und der kleine Ort rüstet sich zum wöchentlichen „Jump up“, einem Straßenfest mit Musik, Tanz, kleinen Imbissbuden und viel Rum, einem Fest für Einheimische und Touristen. Speziell ist die Tanzart des „Wining“, wobei die Leiber der Tänzer und Tänzerinnen zu den heißen Rhythmen des Calypsos und des Socas gegeneinander kreisen.
St. Lucia: Palmenumsäumte Strände meilenweit
St. Lucia: Palmenumsäumte Strände meilenweit
Im Regenwald
Erlebnisreich ist eine Wanderung durch den Regenwald, um die überschießende Natur der Insel kennen zu lernen. Der Rundwanderweg durch das Edmont Forest Reserve dauert ungefähr vier Stunden und führt durch den ursprünglichsten Teil von St. Lucia.
Victoria erklärt jeden Baum und jeden Strauch. Viele Hundert verschiedene Pflanzenarten in den unterschiedlichsten Grüntönen gedeihen hier. Da, wo es den Sonnenstrahlen gelingt, durch das dichte Grün durchzudringen, wachsen rote Heliconien, Orchideen und Hibiskus. Auch Meno, ein freundlicher Karibe, liebt die Natur. Sein Gebiet ist Anse Mamin, eine ehemalige Plantage, die völlig verwildert ist und heute zur Hotelanlage Anse Chastenet gehört. Zwischen den tropischen Pflanzen findet er aus der Kolonialzeit übrig gebliebene Papayastauden, Zimtbäume, und zeigt, wie die Vanille wächst, Kakao oder Kaffee. Ein wahrer Könner ist er im Nachahmen von Vogelstimmen. Im Nu beginnt ein Dialog zwischen ihm und den exotischen Vögeln. Als Warnung zeigt er den Touristenbaum, so genannt, weil sich der Stamm des Baumes schält, so wie die Touristen eben, die zu lange in der karibischen Sonne gelegen haben.
Reggaemusik
Am Abend ist ein Buffet am Strand aufgebaut. Zahlreiche karibische und kreolische Köstlichkeiten verführen zum Schlemmen. Dazu spielt eine fünfköpfige Band aus Soufrière Reggaemusik. Die Sängerin ist eine korpulente Schönheit mit tiefer Stimme und einem satten Lachen. Während wir den Abend am Strand bei lauem Wind und Musik genießen, beobachten wir die gute Stimmung unter den Restaurantangestellten. Sie sind traditionell gekleidet mit dem ursprünglich aus Indien kommenden Kleidern im so genannten Madras-Karomuster. Auf den Köpfe thront ein Gesteck aus Stoff, aus dem Zipfel heraus gezogen sind. Agnes erklärt den Sinn der Zipfel: „Ein Zipfel bedeutet, dass man noch frei ist. Zwei Zipfel: Man ist vergeben. Drei: Man ist glücklich verheiratet. Und vier: Man ist zwar verheiratet, möchte sich aber nach einem neuen Mann umschauen. So einfach ist das,“ sagt sie mit einem breiten Lachen. Gesine Unverzagt

Reise-Tipps
Pauschalpreis: Bei Terramar sind sieben Übernachtungen im Hotel Anse Chastanet mit Flug und drei
Ausflügen ab 2 375 Euro je Person buchbar. Weiterer Veranstalter: Neckermann
Beste Reisezeit: Die Hauptreisezeit für die Kleinen Antillen ist im europäi-
schen Winter, von Dezember bis April, was sich bei den Preisen bemerkbar macht. Die Temperatur schwankt zwischen 20 und 33 °C. Die Wassertemperatur liegt bei 26 °C. Im Sommer und im Herbst ist Hurrikanzeit.
Sport und Wellness: St. Lucia ist ein Paradies für Taucher und Wassersportler. In der Bucht von Anse Chastenet können zahlreiche Tauchkurse belegt werden. Die Rodney Bay ist ein guter Ankerplatz für Segler. „Junglebiking“ mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden wird im Gelände von Anse Mamin angeboten. Die Spas bieten Massagen und Aromatherapien an.
Besonders empfehlenswert ist eine „Heiße-Stein-Massage“.
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